Sport : Der Trainer als Risikofaktor

Mangels Alternativen hält Basketball-Bundesligist Rheinenergie Köln an Stephan Baeck fest

Christiane Mitatselis

Köln. Eigentlich hatte Stephan Baeck, Trainer des Basketball-Bundesligisten Rheinenergie Köln, keine Lust zu reden. Es war aber eine Pressekonferenz angesetzt, und so musste er etwas zu den Aussichten seiner Mannschaft im Heimspiel gegen Alba Berlin am Samstagabend (18.30 Uhr) sagen. Und das sah dann so aus: „Wir können und müssen gegen Berlin gewinnen, wir wissen, dass es nicht leicht wird.“ Das Spiel wird seit Wochen auf Werbeplakaten als „das Duell" angepriesen – doch das klingt momentan in Köln eher wie ein Witz.

So trugen sich in den vergangenen Wochen seltsame Dinge zu: Köln, mit etwa 3,5 Millionen Euro Jahresetat nach Berlin die zweitreichste Mannschaft der Liga, startete mit drei Niederlagen, in Braunschweig, gegen Hagen und in Gießen, in die Saison. Natürlich geriet der selbst ernannte Alba-Verfolger in die Kritik. Der Klub musste reagieren. „Deutschlands lustigstes Klub-Management“ („Kölner Stadt-Anzeiger“) entschied sich daraufhin, folgenden Vorgang publik zu machen: Der Trainer habe im Gespräch mit Manager Michael Mronz und dem Aufsichtsratschef Herbert Zimmer seinen Rücktritt angeboten. Dagegen habe sich jedoch die Mannschaft gewehrt: „Wir werden als Team zusammen mit unserem Trainer alles dafür tun, dass schon kurzfristig sportliche Erfolge erzielt werden“, hieß es in einer Pressemitteilung, die alle Profis unterzeichnet hatten.

Wie schön, könnte man sagen, in diesen Zeiten des Werteverfalls, solidarisiert sich eine Mannschaft mit dem Trainer. Doch anders, als es sich das Kölner Management wohl vorstellte, folgten jede Menge herzloser Reaktionen. Denn es existiert eine weniger rührende Version: So berichtete der „Express“, Manager Mronz habe nach Baecks Rücktrittsofferte Kotrainer Veselin Matic übergangsweise zum Chef machen wollen. Das hätte der Mannschaft aber nicht gefallen. Einige Spieler wollten sogar kündigen. Und so hätten die Profis dem alten Trainer die Treue geschworen – und das kleinere Übel gewählt. Wie es auch war, die Autorität des Trainers hat durch die Posse weiter gelitten.

Nach der letzten Spielzeit, in der Köln im Play-off-Viertelfinale in vier Spielen an Bamberg gescheitert war, hatte es die Klubführung in der Hand, das Debakel abzuwenden. Ganz elegant hätte der Verein Baeck wieder zum Manager machen und einen erfahreneren Coach verpflichten können. Doch der Klub sparte sich das Geld und machte lieber mit Baeck weiter. Inzwischen gestand Zimmer ein, es sei „ein Risiko gewesen, Baeck als Trainer zu installieren“.

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