Sport : Der Trainer der Capitals hat sich trotz Skepsis durchgesetzt

Claus Vetter

Michael Komma erfüllt die handelsüblichen Anforderungen für einen Trainerposten in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nicht. Dieses Umstandes ist sich der gebürtige Tölzer durchaus bewusst: "Im idealen Fall muss ein Trainer ein hohes Gehalt verlangen und darf keinen deutschen Namen haben. Dann meinen alle, dass der Erfolg von alleine kommt."

Als Komma bei den Berlin Capitals zu Saisonbeginn den Platz seines abrupt entlassenen Vorgängers Dale McCourt einnahm, da vermuteten viele, dass es sich nur um eine Zwischenlösung handeln könne. Zumal Kommas Referenzen als Übungsleiter eher dürftig anmuteten. Als Ex-Manager Peter Ustorf mitten in der Saison 1997/98 einen seiner vielen Posten räumte, da durfte Komma schon mal als Notnagel die Capitals betreuen. Das war es dann auch mit der Erfahrung als Hauptverantwortlicher hinter der Bande. So überraschend wie die Beförderung vom Co- zum Cheftrainer fällt allerdings die Zwischenbilanz des 34-Jährigen nach 18 Spielen aus: Komma ist nicht nur der jüngste, sondern derzeit auch der erfolgreichste Trainer in der DEL. Unter seiner Führung rangiert der Dreizehnte des Vorjahres momentan auf dem zweiten Platz.

Freilich, die Capitals der Saison 99/2000 haben mit der Mannschaft des Vorjahres im wesentlichen nur das Vereinsemblem gemein. Mit dem Vorurteil, dass es sich bei der erfahrenen Truppe der Berliner um einen Selbstläufer handelt, musste Komma anfangs leben. Zumal es mit der Autorität seines Amtsvorgängers McCourt bei den Spielern zuletzt wohl nicht mehr weit her war.

Trotzdem, Michael Komma hat seine Kritiker überrascht, hat durchgegriffen, wenn es mal nicht lief. So hat er einem Rob Cimetta auch mal ein Spiel Pause verordnet, als er mit dessen Einstellung nicht einverstanden war. "Natürlich muss ich meinen Spielern nicht mehr erklären, wie sie den Schläger zu halten haben", sagt Komma, "Ich bin für die Taktik zuständig. Und vor allem für Kleinigkeiten, die ein Spiel entscheiden können." Da hatte er in dieser Saison zumeist eine glückliche Hand. Der Dank von Seiten der Öffentlichkeit fiel aber eher bescheiden aus. Auch als die Capitals wochenlang die Tabelle anführten, hielt sich die Publikumsresonanz in Grenzen. Als zuletzt drei Spiele in Folge verloren wurden, forderten einige Anhänger per Internet mit unsäglichem Wortgeklingel die Ablösung des Trainers. Komma blieb unbeeindruckt, nach außen hin jedenfalls. "Ein Fan hat sich später sogar bei mir entschuldigt, das war rührend", sagt er

In erster Linie hatten sich die Anhänger wohl daran gestört, dass Komma stets auf dem Boden bleibt, trotz Tabellenführung der Capitals nur vom Erreichen des achten Platzes redete. Als ruhiger Analytiker hat man es nun mal schwerer als ein Freund deftiger Parolen. Michael Komma behauptet auch weiterhin: "Das mit dem achten Platz ist kein Understatement von mir, sondern Fachwissen. Es ist eng in der Liga, und es wird eng bleiben. Das einzige was mich interessiert, ist der Abstand zum neunten Platz." Den könnten die Capitals heute beim Schlusslicht Revier Löwen wieder ein wenig vergrößern. Und vor der Reise nach Oberhausen zeigt sich Michael Komma in seiner Prognose dann doch unverhofft wagemutig: "Natürlich können wir da verlieren, aber daran glaube ich eben nicht."

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