Sport : Der Trainer der Eintracht-Volleyballer hofft, der Manager stänkert

Helen Ruwald

Das muss er sein, der letzte Strohhalm: 15 Mal ist der FC Schüttorf in der Volleyball-Bundesliga angetreten, 15 Mal hat er verloren. Ganze fünf Sätze hat der Aufsteiger sich erkämpft seit Saisonbeginn vor einem halben Jahr. Schlimmer geht es kaum. Am Sonnabend tritt der SC Eintracht Berlin in Schüttorf an und will die rekordverdächtige Negativserie der Gastgeber noch ausbauen. Die Berliner sind Vorletzter. Um sich die hauchdünne Chance auf den Klassenerhalt zu erhalten, müssen sie unbedingt gewinnen. Wenn nicht hier, wo sonst.

"Nein, es ist der vorletzte Strohhalm", korrigiert Eintrachts Trainer Martin Stallmaier gut gelaunt, "wir brauchen aus den restlichen drei Spielen zwei Siege." Selbst bei einer Niederlage bei den Niederlagen-Königen könnte sein Team noch zweimal gewinnen. Gegen den Dritten Bayer Wuppertal und beim Zweiten SC Charlottenburg nämlich. Utopische Gedankenspiele, das weiß natürlich auch Stallmaier. Aber ohne Humor ist die Situation wohl nicht zu meistern. Man müsse "die Chance, die man nicht hat, nutzen."

Dabei verlief der Saisonstart für die Eintracht, deren Ziel ursprünglich das Erreichen der Play-offs war, optimal: An den ersten sechs Spieltagen gab es vier Siege, den letzten Anfang November gegen Schüttorf. Danach setzte es neun Niederlagen am Stück, sechsmal unterlagen die Hellersdorfer 2:3. Im Tiebreak verloren sie viermal mit nur zwei Punkten Unterschied - auch in Wuppertal und Mendig und gegen den SCC. Respektable Ergebnisse gegen Spitzenteams. Doch weil immer wieder in den letzten Minuten greifbare Siege verspielt wurden, hielten die Nerven auch in den entscheidenenden Spielen nicht mehr stand. Der SC Eintracht, Neunter und Vorletzter, verlor an den letzten drei Spieltagen jeweils 2:3 gegen den Siebten Dachau, beim Achten Fellbach und gegen den Vierten Düren. Um den direkten Abstieg zu verhindern und sich in die Relegationsspiele zu retten, müsste das Stallmaier-Team zwei Punkte Rückstand auf Fellbach aufholen und die Schwaben vom drittletzten Platz verdrängen. Grund für die Misere sind laut Stallmaier auch die vielen "fremdbestimmten Spiele". In den letzten acht Partien, seit Beginn der Niederlagenserie also, hätten die Schiedsrichter nämlich Dinge getan, "die einige Spieler komplett aus dem Tritt gebracht haben". Als Schuldzuweisung will er es nicht verstanden wissen, aber es sei "ein Knackpunkt".

Davon will Manager Heinz Kuring nichts hören. Schuld sei Stallmaier höchstpersönlich. "Wir steigen ab", sagt er überzeugt. Er ist pessimistisch, "dass das Team sich gegen die Arbeit des Trainers durchsetzen kann". Kuring und Stallmaier waren nach dem Spiel gegen Düren heftig aneinandergeraten. Kuring schimpfte, dass Stallmaier "nur noch Mist" mache mit seinen vielen Auswechslungen und die Mannschaft alles ausbaden müsse. Die Pressevertreter schrieben genüsslich mit. Kurings Ausbruch sei auf die Enttäuschung nach der Niederlage zurückzuführen, "da muss man Emotionen zugestehen", sagt Stallmaier. Auch Leistungsträger Roland Tullner versucht, die Situation zu entschärfen. Bei jedem Training gerate man mal aneinander, "das sieht nur kein Außenstehender". Alles im Lot also, bloß keine Panikmache vor den so entscheidenden Spielen.

Doch Heinz Kuring gibt sich keinerlei Mühe, Ruhe reinzubringen in die Mannschaft. Er stänkert munter weiter. Seine Kritik gelte nach wie vor, es gebe "ideologische Unterschiede" in der Auffassung, wie Volleyball gespielt und nach welchen Kriterien ein Team aufgestellt wird. "Das ist nicht reparabel." Nichts sei geklärt worden, klar nur eines: "Das Gespann Kuring - Stallmaier wird es nach dieser Saison nicht mehr geben. Einer geht." Möglicherweise er selbst, "bei Stallmaier hängt der Lebensunterhalt davon ab. Wenn der Verein hinter ihm steht, werde ich nicht im Weg stehen".

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