Sport : Der Trainer kommt zum Probetraining

Helen Ruwald

Berlin. Mit 22 gilt man als Volleyballerin gemeinhin noch nicht als furchtbar alt. Es sei denn, man spielt für die Volley Cats in der Bundesliga, so wie Nationalspielerin Anja-Nadin Pietrek. Die ist 22, laut Manager Heinz Kuring "die Urzelle" beim Neuaufbau der Volley Cats - und älteste Akteurin ihres Teams beim Saisonauftakt am Sonntag beim USC Münster. Neben ihr werden zwei 18-Jährige, vier 19-Jährige und eine 21-Jährige gegen den Meisterschaftszweiten der Vorsaison kämpfen. Kuring ist auf alles gefasst, "von einer klaren Niederlage bis zu einer Überraschung. Unser Team ist stärker als vor einem Jahr zu Saisonbeginn".

Der Klub, der vor einigen Monaten kurz vor der Insolvenz stand, geht mit neuem Team, neuem Trainer und neuem Manager in die Saison. Bis Ende November sollen die Schulden von rund 300 000 Mark abgetragen sein, durch Lottogelder, Gläubigerverzichte und Aufwendungen von Vorstandsmitgliedern. Der Saisonetat, im Vorjahr noch 750 000 Mark, beträgt rund 550 000 Mark. Gespart wurde vor allem durch die Auflösung der Geschäftsstelle, aber auch durch den Trainerwechsel. Als Andrej Niemczyk im September in die Türkei wechselte, hat Kuring zwar "eine Woche krampfhaft nach einem Nachfolger gesucht". Doch immerhin ist Sergej Danilow billiger als der Pole. Danilow arbeitete bislang beim Dresdner Volleyballinternat mit jungen Talenten, nicht immer problemlos, wie es heißt. In Berlin absolvierte der Coach, der noch nie einen Erstligisten betreute, vor Kurings Augen ein zweitägiges Probetraining.

Zu seinem neuen Team gehören die Zugänge Adina Hinze, Christin Guhr, Regina Burchardt, Kathy Radzuweit, Maraike Zienert und Ramona Stucki, die alle vom VC Olympia kommen, der als Juniorennationalmannschaft in der letzten Saison in Liga eins antrat. Die Mannschaft ließ in der Tabelle zwar nur Emlichheim hinter sich, gewann nach siegloser Vorrunde aber in der Rückrunde vier Spiele. Bei den Volley Cats stehen den Talenten nun einige wenige erfahrene Kräfte zur Seite: Neben Pietrek ist das vor allem die 29-jährige Jingkun Zhang, die fast 500 Länderspiele bestritten hat, aber erst Anfang November von den Asien-Spielen zurückkehrt. Dort ist die Chinesin beim Beachvolleyball im Einsatz. Dass auch die Russin Nadja Zabawina (31) wieder für die Berlinerinnen antritt, ist hingegen unwahrscheinlich. "Ich rechne nicht mit ihr", sagt Kuring. Privates hält sie in Moskau, ein neuer Vertrag würde erst unterschrieben werden, wenn sie tatsächlich in Berlin auftauchen sollte. Die dritte Ausländerin, die 19-jährige Anja Solowjowa aus der Ukraine, hat zwar schon Vorbereitungsspiele für die Volley Cats bestritten - aber noch keine Freigabe des ukrainischen Verbands.

Beim Berliner Volley Cup siegten die Gastgeberinnen gegen Danzig, verloren aber gegen Pila, Dresden und Meister Schwerin. Dennoch gibt Kuring als Ziel die Play-offs aus, für die sich acht von zwölf Mannschaften qualifizieren. Auch einen Sieg in Münster hält der Manager nicht für ausgeschlossen. "Letzte Saison haben wir beide Partien nur durch Angelina Grün verloren." Die Münsteranerin spielt inzwischen in Italien.

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