Sport : Der Trainer riecht die Gefahr

Eishockeyklub Krefeld Pinguine muss seine Arena verlassen, nachdem Ammoniak ausgetreten ist

Claus Vetter

Berlin - Auf die Nase von Jiri Ehrenberger können sich die Krefeld Pinguine verlassen. Als der Trainer des Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am Donnerstagmorgen das Eis im Königpalast, der Heimspielstätte des Klubs, betrat, verzog er das Gesicht. Er roch Ammoniak. Tatsächlich war giftiges Gas, das in flüssiger Form in Kältemaschinen eingesetzt wird, ausgeströmt. Nach Ehrenbergers Entdeckung ging alles ganz schnell: Die Spieler, die noch nicht umgezogen waren, warfen sich Jacken über und liefen auf den Hallenvorplatz. Die Polizei sperrte das Gelände rund um die Halle ab und die Feuerwehr rückte an.

Durch ein Loch in einer Ammoniakleitung war das Gas, das in hoher Konzentration lebensgefährdend werden kann, ausgetreten. Schuld war der Mann mit dem Bohrer: Vier Löcher gibt es im Eishockey zur Verankerung der Tore. Laut der „Rheinischen Post“ bohrte eine Urlaubsvertretung vor dem Training acht Zentimeter tiefe Löcher – das Eis war aber nur knapp vier Zentimeter dick. So soll die Ammoniakleitung angebohrt worden sein, was Hallenmanager Paul Keusch aber bestreitet: „Da müsste man schon einen Steinbohrer nehmen.“ Nein, die Metallhülsen zur Verankerung der Tore hätten wohl die Ammoniakleitung beschädigt. „Der Spalt ist nur einen Millimeter groß. Da ist nur etwa ein halbes Schnapsstamperl Ammoniak ausgetreten“, berichtet der Österreicher. „Es bestand keine Gefahr, die Maßnahmen gingen logistisch meisterlich über die Bühne“, schwärmt er. Damit meint er auch den Umzug in die alte Rheinlandhalle, die auf der anderen Straßenseite der neuen Arena steht. Donnerstag verlegten die Krefelder ihr Spiel gegen Duisburg dorthin, auch wenn es in der Halle abenteuerlich aussah . Es fehlten ein paar Sitzbänke, die seit dem Umzug der Pinguine vor zwei Jahren im Museum stehen.

Inzwischen ist das Eis im Königpalast abgetaut. Alles müsse nun überprüft werden, sagt Keusch. Ein Problem für den DEL-Klub. Die alte Arena fasst nur 6000 Zuschauer, die neue aber 8000: Beim Spiel gegen den Tabellenführer Mannheim am zweiten Weihnachtstag werden einige Fans draußen bleiben müssen. Auch die Partien am 2. und 4. Januar werden laut Keusch „nach Stand der Dinge verlegt“. Danach soll es weitergehen im Königpalast, in dem im Februar auch das Davis-Cup-Team gegen Kroatien spielt.

Keusch hat es übrigens mit Eis. „Irgendwie verfolgt mich das“, scherzt er. Im Mai 2005 war er bei der Eishockey-WM Manager der Wiener Stadthalle. In der betagten Arena war es schon mal 25 Grad warm. Die Pfützen auf dem Wiener Eis waren deutlich zu sehen. Die Panne von Krefeld war nur zu riechen und es war kein Zufall, dass Ehrenberger als Erster roch, was los war. Der Trainer wurde vor 51 Jahren in Brünn geboren. In alten tschechischen Eishallen wehte ihm früher schon mal Ammoniakduft um die Nase. Nach dem Schrecken am Morgen ärgerte sich Ehrenberger übrigens auch am Abend: Der Umzug brachte kein Glück, Krefeld verlor gegen den Tabellenletzten Duisburg 3:4 nach Penaltyschießen.

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