Sport : Der Trainer verliert das Spiel

Nach neun Partien ohne Sieg zeichnet sich bei Hertha BSC eine Trennung von Falko Götz ab

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Gestern war Ruhe beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Die Mannschaft hatte am Ostermontag trainingsfrei – und die Vereinsspitze beriet hinter verschlossenen Türen. Einige Indizien deuten darauf hin, dass es die Ruhe vor dem Sturm gewesen ist und die Beratungen der Funktionäre zur Trennung von Trainer Falko Götz geführt haben. Bis zum späten Abend saß der innere Zirkel des Vereins zusammen. Morgen früh soll auf einer Pressekonferenz das Ergebnis der Verhandlungen präsentiert werden. Offiziell wollte sich niemand äußern. Hertha hatte am vergangenen Samstag im Heimspiel gegen Bielefeld nur ein 1:1 geschafft und sehr schwach gespielt. Seit neun Pflichtspielen ist das Team bereits sieglos.

Über eine Interimslösung mit dem aktuellen Trainer der zweiten Mannschaft, Karsten Heine, wurde gestern heftig spekuliert. Auch Michael Preetz, Assistent der Geschäftsführung, und Torwarttrainer Enver Maric sind im Gespräch. Eine Stellungnahme aus der Spitze des Vereins war am späten Abend nicht mehr zu erhalten, das Klingeln der Mobiltelefone wurde wohl überhört. Auf den unteren Funktionärsebenen herrschte Unklarheit und selbst die Spieler wussten von nichts. „Ich wurde noch nicht informiert“, sagte Kapitän Arne Friedrich am späten Abend. Falko Götz wollte sich gestern nicht zur Situation äußern.

Am Samstag, nach dem Unentschieden gegen Bielefeld, hatte Manager Dieter Hoeneß keine Stellung beziehen wollen, weder für noch gegen seinen Trainer. „Ich sage grundsätzlich nichts“, hatte er gesagt. Für einen Trainerwechsel spricht das angespannte Verhältnis zwischen dem Trainer Götz und seiner Mannschaft. Im Team gibt es viele Stimmen, die Götz mangelhafte Kommunikation vorwerfen. Gegen den Trainer, also absichtlich schlecht, habe die Mannschaft zuletzt aber „auf gar keinen Fall gespielt“, sagte Mittelfeldspieler Sofian Chahed. Die Trennung von Götz würde das Scheitern eines Konzeptes bedeuten. Götz hatte die Jugendakademie des Klubs über Jahre aufgebaut. Als erster Trainer soll er die Talente an die Bundesliga heranführen. Paradoxerweise fühlen sich aber insbesondere die jungen Spieler nicht mehr wohl unter Falko Götz.

An den finanziellen Voraussetzungen des Klubs soll eine Trennung von Götz aber nicht scheitern, so ist zu hören. Hertha belasten etwa 45 Millionen Euro Schulden. Der Vertrag von Götz läuft bis zum Sommer 2008 – eine satte Abfindung würde der Trainer bei einer Entlassung erhalten, von ungefähr einer Million Euro ist die Rede.

Im Verein wurde neben der Entlassung von Götz auch eine andere Variante diskutiert: Bis zum Saisonende am Trainer festzuhalten und die Situation dann erneut auszuwerten. Hertha braucht aus den sechs verbleibenden Spielen maximal noch zwei Siege, um den Abstieg zu verhindern. Und ob die Mannschaft Zehnter oder Fünfzehnter wird, spielt nur bei der Verteilung der Fernsehgelder wirklich eine Rolle. Die Frage ist, ob die Vereinsführung dem Trainer Götz den Klassenerhalt zutraut - nach zuletzt katastrophalen Leistungen der Mannschaft. Nach dem Spiel gegen Bielefeld sowie am Ostersonntag beim Auslaufen, hatte Götz keine Ansprache an seine Mannschaft mehr gehalten, wohl ein Zeichen der Resignation.

In der vergangenen Saison steckte Hertha in der Rückrunde ebenfalls in der Krise, die Mannschaft blieb 13 Spiele ohne Sieg. Manager Dieter Hoeneß aber machte sich stark für seinen Trainer – und Götz schaffte tatsächlich die Wende. Damals wirkte die Mannschaft allerdings nicht so durcheinander wie im Moment. Götz und Hoeneß haben in den vergangenen Wochen einiges ausprobiert, um die Mannschaft wach zu rütteln. Zuerst wurde das Kollektiv kritisiert und vor dem Bielefeld-Spiel wurde Stürmer Marko Pantelic angegriffen. Die öffentliche Kritik an Pantelic war wohl so etwas wie die letzte Instanz, bevor der Trainer zur Verantwortung gezogen wurde.

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