Sport : Der Trainer verliert

Petrik Sander unterliegt mit Energie Cottbus dem VfL Wolfsburg 1:2 – anschließend wird über seine Entlassung beraten

Sandra Dassler[Cottbus]

Bis zur 83. Minute hatten sie im Stadion der Freundschaft noch Hoffnung. Dann schoss Jacek Krzynowek nach einem desolaten Abwehrmoment der Cottbuser das 2:1 für den VfL Wolfsburg und alle Augen wanderten zum Trainerstuhl von Petrik Sander. Der Trainer von Energie Cottbus legte – wie um sich vor den Blicken zu schützen – die Arme vor der Brust übereinander und verfolgte ruhig, fast regungslos, den Rest des Spiels.

Nur bei einem Sieg habe Sander eine Zukunft in Cottbus, hatte die Vereinsführung vorher deutlich gemacht. Nun aber hat sich die Situation noch verschärft. Mit nur zwei Punkten ist Cottbus auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht. In der Lausitz vermuten aber alle, dass der eigentliche Grund für die mögliche Trennung – immerhin muss Petrik Sander zehn Neuzugänge zu einer Mannschaft formieren – im Zerwürfnis des Trainers mit dem Energie-Präsidenten Ulrich Lepsch zu suchen ist.

Die Fans wollen Sander behalten, das machten sie von Beginn des Spiels klar. Sie sangen „Petrik Sander, Du bist der beste Mann“ und riefen „Vorstand raus“. Selbst der frühe Rückstand, Edin Dzeko hatte den VfL in der 21. Minute in Führung gebracht, ließ die Anfeuerungsrufe nicht verstummen. Und die Cottbuser Spieler, die wie Sander am Ende selbst einschätzte, den Wolfsburgern spielerisch um eine Klasse unterlegen waren, erkämpften sich den Ausgleich. Dennis Sörensen brachte Energie und Petrik Sander in der 33.Minute wieder ins Spiel zurück. Auch in der zweiten Halbzeit und selbst nach der erneuten Führung des VfL steckten die Cottbuser nicht auf. Er habe bis zur letzten Nachspielminute um den Sieg gezittert, sagte VfL-Trainer Felix Magath bei der Pressekonferenz. Da ging es kaum um das Spiel, im Mittelpunkt des Interesses stand die angekündigte Entlassung von Petrik Sander.

Petrik Sander hatte den Posten im November 2004 übernommen, als Eduard Geyer gehen musste. Er verhinderte den drohenden Abstieg in die Regionalliga, schaffte 2005 sensationell den Aufstieg in die Erste Bundesliga und den Klassenerhalt. Er ist daher bei den Fans beliebt. Nach dem Spiel blieben noch viele Zuschauer sitzen, um Sander noch einmal die Hand zu drücken. Vor dem Stadion mussten Ordner eine Sitzblockade der Fans auflösen.

Petrik Sander zuckte nur mit den Schultern, als er zu seiner Zukunft gefragt wurde: „Darüber werden jetzt die zuständigen Gremien beraten“, sagt er. Und fügte hinzu: „Ich hatte am Freitag ein sehr gutes Gespräch mit meinem Präsidenten, wir haben sicher beide Fehler gemacht. Es wäre unfair, jetzt einen von uns zum Buhmann abzustempeln.“ Nach dieser Ehrenerklärung für Ulrich Lepsch verließ Petrik Sander die Konferenz und wartete bis zum späten Abend auf die Entscheidung des Vorstands. Diese war bis Redaktionsschluss nicht gefallen.

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