Sport : Der Trainer wackelt am Stuhl

Hans Meyer deutet an, dass Hertha ohne ihn planen sollte – die nächsten Tage entscheiden

André Görke

Berlin. In den Büros von Fußball-Bundesligist Hertha BSC sind dieser Tage einige Irritationen entstanden. Es geht um Trainer Hans Meyer und dessen Kritik an der Mannschaft. In den Führungsgremien des Klubs heißt es dazu nun: „Meyer redet seit einiger Zeit viel zu viel über Negatives.“

Doch das war es nicht allein, worüber sich die Verantwortlichen des Klubs verwundert äußerten. Trainer Hans Meyer wurde in der „Bild“-Zeitung am Montag mit den Worten zitiert: „Wenn wir abgestiegen sind, muss sich der nächste, der neue Trainer, einen Neuaufbau einfallen lassen.“ Das würde bedeuten, dass Hans Meyer den Klub im Sommer verlässt. Ob die Worte so gefallen sind, ist unklar. Hertha hat Meyer eigentlich intern eine Frist gesetzt und bis Mittwoch nach Ostern Zeit gelassen, sich zu entscheiden. „Bis zum Saisonende warten wir jedoch nicht auf ihn“, sagt ein Verantwortlicher. Meyer war am Montag nicht zu erreichen, sein Telefon ist angeblich kaputt.

Doch selbst wenn sich Herthas Trainer weniger deutlich ausgedrückt haben sollte, so passt die Aussage doch ganz gut in das Stimmungsbild, das sich im Umfeld des Vereins und auf der Geschäftsstelle entwickelt hat. So langsam entsteht der Eindruck, dass die Berliner nicht sonderlich überzeugt sind, den Trainer halten zu können – und zu wollen.

Offiziell sagt Herthas Aufsichtsratsvorsitzender Rupert Scholz zwar, dass „wir Hans Meyer auch im Falle des Abstiegs mit Kusshand nehmen würden“. Doch intern wurde jetzt kritisiert, dass Meyer in der Öffentlichkeit „ungewohnt unsouverän“ auftritt und die Medienarbeit in Berlin unterschätzt haben könnte. Dort trat er zuletzt weniger humorvoll auf als noch kurz nach seinem Amtsantritt im Januar. Es häufen sich die Anzeichen, dass Meyer dem Klub in der kommenden Woche eine Absage erteilen wird. Herthas Manager Dieter Hoeneß will sich zu diesem Thema nicht äußern, „weil es nichts Neues zu verkünden gibt“, sagt er.

Hans Meyer würde seinen Arbeitsvertrag in einer schlechteren Situation verlängern, als es noch vor sechs Wochen der Fall war. Nach dem Sieg in Hannover und dem Sprung auf Platz 15 galt Meyer bei Vorstand und Fans als jener Trainer, der die Mannschaft nach oben führen würde. Doch nun ist Hertha wieder auf den vorletzten Platz abgerutscht. Nach dem 1:1 gegen Hansa Rostock am vergangenen Samstag hat der Trainer der Mannschaft ihr fußballerisches Können abgesprochen. „Es ist nicht eine Frage des Willens, es ist eine Frage des mangelnden Könnens“, hatte er gesagt und ergänzt, dass sich „nichts geändert“ habe im Vergleich zum Herbst. In der Führungsetage war man sich nicht ganz so sicher, ob diese Kritik nicht eher kontraproduktiv sein könnte.

Längst hat Hertha eine Linie bei der Trainersuche vorgegeben. Der Eindruck von Hektik soll vermieden werden. Aus den Fehlern vor zwei Jahren habe man gelernt, heißt es. Damals war Interimscoach Falko Götz überaus erfolgreich im Amt und wurde dann durch Huub Stevens ersetzt. Als der Erfolg ausblieb, geriet Stevens in die Kritik, die Fans forderten Götz’ Rückkehr. Deshalb lässt sich Hertha jetzt Zeit. Hätte der Klub im März einen Trainer verpflichtet und würde Meyer im Sommer den Klassenerhalt schaffen, „hätten wir dem neuen Mann eine Hypothek auf den Rücken geschnallt, an der Stevens gescheitert ist“, heißt es. Auf die Suche nach einem neuen Trainer hat sich Hertha BSC aber vorsichtshalber schon gemacht.

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