Sport : Der Trainerspieler

Mineiro hat sich bei Hertha unter Heine etabliert

Stefan Hermanns

Berlin - Karsten Heine hatte noch ein wichtiges Anliegen. Der Trainer von Hertha BSC wollte einen Spieler besonders hervorheben. 4:0 hatte der Berliner Fußball-Bundesligist bei Alemannia Aachen gewonnen, es hatte einige Spieler gegeben, die das Lob ganz offensichtlich verdient hatten: Gilberto zum Beispiel, der das erste Tor erzielt und nach vorne etliche gute Aktionen eingeleitet hatte. Ashkan Dejagah, der zwei Tore vorbereitet hatte. Oder Marko Pantelic, der nach drei Monaten endlich wieder ein Tor geschossen hatte. Heine lobte: Mineiro.

Der Brasilianer ist ein echter Trainerspieler. Was jemand wie Mineiro für seine Mannschaft leistet, entgeht dem Publikum schon einmal, ein Trainer aber wird seinen Beitrag immer zu schätzen wissen. Seitdem Heine die Profis von Hertha BSC betreut, hat der 31 Jahre alte Brasilianer immer in der Startelf gestanden; unter seinem Vorgänger Falko Götz spielte Mineiro fünfmal – in vier Begegnungen ließ Götz ihn auf der Reservebank sitzen. Wegen seiner Sprachschwierigkeiten könne der Brasilianer die wichtige Position vor der Abwehr nicht spielen, hat Götz noch kurz vor seiner Entlassung gesagt. Heine hat darin nie ein Problem gesehen.

Die Suche nach dem perfekten Sechser hat bei Hertha eine lange Geschichte. Jürgen Röber wollte einst Stefan Beinlich für die defensive Rolle im Mittelfeld umschulen, was nicht gelang. Hans Meyer ist beinahe verzweifelt, als er Anfang des Jahres 2004 nach der Idealbesetzung für das defensive Mittelfeld suchte: Neben Pal Dardai und Niko Kovac probierte er auch Josip Simunic und Dick van Burik aus. Richtig zufrieden war Meyer mit keinem. Am Ende entschied er sich für Dardai. Man könnte auch sagen: für das kleinste Übel. Der Ungar hat sich am Ende immer durchgesetzt, obwohl er zwischenzeitlich unter Falko Götz keine Chance mehr bekam. Es war die Zeit, in der Niko Kovac die Position am überzeugendsten ausfüllte. Sein Nachfolger sollte nicht Dardai werden, sondern Kevin-Prince Boateng. Von dieser Idee ist keine Rede mehr. Es hat sich bewahrheitet, was Kovac schon vor anderthalb Jahren über Boateng gesagt hat: „Er ist eher ein Mann für weiter vorne. Als Sechser muss man auch mal mit angezogener Handbremse spielen.“

Das fällt auch Pal Dardai manchmal schwer. „Vielleicht will er oft viel zu viel“, sagt Heine. „Er geht in Situationen, in die er als normaler Sechser gar nicht gehen müsste und sollte. Andererseits zeigt das seinen positiven Charakter: Er will sich immer zeigen, sich einbringen, Verantwortung übernehmen.“ Gestern unterschrieb der 31-Jährige einen neuen Zweijahresvertrag. Er verlängert sich um ein weiteres Jahr, wenn Dardai im zweiten Jahr 25 oder mehr Bundesligaspiele macht.

Das Publikum sieht es gerne, wenn ein Sechser auffällig spielt. In der Öffentlichkeit herrscht der Irrglaube vor, dass er nicht nur der Stabilisator der Defensive ist, sondern auch Spielmacher in der Offensive. Das ist er auch, aber nicht in dem Sinne, dass er ständig nach vorne marschiert, sich durch die gegnerische Abwehr dribbelt und tödliche Pässe in den Strafraum spielt. Der Sechser ist Spielmacher in dem Sinne, dass er das Spiel seiner Mannschaft strukturiert.

In Mineiro könnte Hertha den Sechser gefunden haben. Defensiv sei der Brasilianer „wie eine Nadel“, die im richtigen Moment sticht, sagt Heine. In der Eröffnung des Spiels traut sich Mineiro immer mehr zu. Und selbst wenn Heine nicht Cheftrainer bei Hertha bleiben sollte, an einer Sprachbarriere wird Mineiro nicht mehr scheitern: Er belegt einen Deutschkurs.

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