Sport : Der Traum macht Pause

Hertha BSC verliert 0:2 beim VfB Stuttgart und hat an der Tabellenspitze nur noch einen Punkt Vorsprung

Michael Rosentritt[Stuttgart]

Irgendwann musste es ja passieren. Hertha BSC hatte sich nach drei Siegen hintereinander am oberen Rand der Bundesligatabelle festgesetzt, und auch die Konkurrenz war gerade dabei, die Berliner als Titelkandidat ernst zu nehmen, da erlitt die Mannschaft von Lucien Favre einen Rückschlag. Allerdings ist es ein Rückschlag, dessen Konsequenzen nicht sofort zu spüren sind. Denn schon vor dem Spiel war klar, dass Hertha die Tabellenführung behalten und mit in die Länderspielpause nehmen würde. Nach der 0:2 (0:0)-Niederlage beim VfB Stuttgart macht der Traum von der Meisterschaft erst einmal Pause. „Wir sind keine Spitzenmannschaft“, sagte Favre.

Herthas Trainer hatte seine Mannschaft verändern müssen. Für Patrick Ebert, der unter der Woche suspendiert worden war, rückte Marko Babic ins Team. An Babic lag es nicht, dass die Berliner nie ihren echten Rhythmus fanden. „Ich hätte zur Pause mehrere auswechseln können. Mit einer solchen Einstellung geht es nicht“, sagte Favre hinterher. Der VfB begann engagiert und druckvoll. Zunächst aber hatte der Gastgeber Glück, dass Hertha nach einem Konter nicht in Führung ging. Doch Andrej Woronin verzog aus spitzem Winkel. In der Folge waren es aber die Stuttgarter, die locker hätten in Führung gehen können. Allein Mario Gomez hatte in der ersten Halbzeit vier gute Möglichkeiten. Einmal hielt Jaroslav Drobny, dreimal verzog der Nationalstürmer. „Es war schon ein Wunder, dass wir mit 0:0 in die Pause gegangen sind“, sagte Favre.

Zum laschen Auftritt des Berliner Fußball-Bundesligisten gesellte sich nach 25 Minuten der Ausfall von Arne Friedrich. Der Mannschaftskapitän zog sich einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu und wird auch für die beiden kommenden Länderspiele gegen Liechtenstein und in Wales ausfallen. Im nächsten Bundesligaspiel fehlt auf jeden Fall Marc Stein. Herthas Außenverteidiger sah seine fünfte Gelbe Karte.

Nach Friedrichs Ausfall wussten die Berliner, dass es schwer werden würde. Offensiv fand Hertha so gut wie nicht statt. Besonders im Mittelfeld hatten die Schwaben ein spielerisches Übergewicht. Timo Gebhart und Thomas Hitzlsperger überzeugten durch sicheres und schnelles Passspiel. „Ich habe ein sehr gutes Spiel meiner Mannschaft gesehen, das beste unter meiner Leitung“, sagte der Stuttgarter Trainer Markus Babbel. „Wir haben richtig gut Fußball gespielt.“ Tatsächlich waren die Schwaben sehr viel präsenter, aggressiver und frischer.

Lucien Favre verfolgte das Spiel fast durchgängig im Stehen. Immer wieder versuchte er, mit Zwischenrufen das Spiel seiner Mannschaft zu ordnen und seine Spieler zu inspirieren. Die gute Organisation und die hohe physische Bereitschaft hatten sein Team so schwer bezwingbar gemacht, doch daran fehlte es . „Heute hat es an vielen Dingen gemangelt“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß. Nur mit sehr viel mehr Engagement hätte das Team Entlastung schaffen können. Aber dazu kam es nicht. Im Gegenteil. Nachdem Gomez ein Kopfballduell gegen Josip Simunic gewonnen hatte, landete der Ball bei Cacau, der ihn ins lange Eck beförderte. Kaka, der für Friedrich eingewechselt worden war, stand etwas weit weg. Da waren nach der Pause gerade mal zwei Minuten gespielt. Keine vier Minuten später lag der VfB sogar schon mit 2:0 vorn. Sami Khedira köpfte einen Freistoß von Hitzlsperger ins Tor.

Dieser Doppelschlag veränderte alles. Die Berliner wurden etwas mutiger, nicht aber zwingender. Eine gute Chance bot sich Raffael, doch dessen Schuss brachte keine Gefahr. Wie groß die Not bei Hertha war, verdeutlichte die Einwechslung von Marko Pantelic. Zuletzt hatte Favre nur zu gern auf ihn verzichtet, nun aber bekam er so etwas wie die letzte Chance. Und tatsächlich stand Pantelic gleich im Mittelpunkt. Khalid Boulahrouz brachte ihn im Strafraum zu Fall, der Elfmeterpfiff aber blieb aus. Sehr zum Ärger von Dieter Hoeneß: „Der VfB war heute klar besser, aber eben nicht unverwundbar. Wäre uns hier das 1:2 gelungen, wer weiß?“

Tatsächlich boten sich Hertha noch zwei gute Chancen. Nach einer Ecke strich ein Kopfball von Kaka dicht am Tor vorbei, kurz darauf scheiterte Pantelic an Jens Lehmann. Josip Simunic presste seine Analyse des Spiels in einen Satz: „Nichts verdient, schlecht gespielt, fertig, aus.“

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