Sport : Der Traum von einem Team – jüdische Hockeyspielerinnen gesucht

Ein Berliner will für die Makkabiade 2009 eine Mannschaft zusammenstellen

Martin Gropp

Berlin - Gert Rosenthals Traum steht auf einer Liste. Darauf hat er 13 Namen notiert von Hockeyspielerinnen aus Berlin, Frankfurt und Hamburg. 13 Spielerinnen, das sind genau zwei mehr als nötig, damit Rosenthal seinen Wunsch umsetzen kann: Im kommenden Jahr will er mit einer deutsch-jüdischen Frauenhockeymannschaft zur 18. Makkabiade nach Israel fahren. Es wäre das erste Mal, dass deutsche Hockeyspieler am größten jüdischen Sportereignis der Welt teilnähmen. Noch hadert Rosenthal aber mit der dünnen Personaldecke. „Die Torwartposition ist doppelt besetzt. In den anderen Mannschaftsteilen brauchen wir aber Verstärkung“, sagt der 49-Jährige.

Eine Position neben dem Platz konnte der Hockeyvorstand des Steglitzer TK schon im Sommer besetzen: Die ehemalige Rekordnationalspielerin Britta Becker wird das Team trainieren. Die 35-Jährige soll die Mannschaft in zwei Trainingslagern auf die Weltspiele in Israel einstellen.

Vor gut einem Jahr hatte sich Gert Rosenthal an die Umsetzung seines Traums gemacht. Dafür schrieb der Sohn des TV-Quizmasters Hans Rosenthal 60 Hockeyvereine an. Rosenthal suchte nach jüdischen Hockeyspielerinnen, die im kommenden Jahr mindestens 16 Jahre alt sind. Die Resonanz war mäßig: Ein paar Vereine antworteten, die meisten meldeten sich gar nicht. „In den Klubs weiß oft niemand, ob eine Spielerin jüdisch ist“, erklärt Rosenthal.

Bei Makkabi Deutschland, dem Verband der jüdischen Sportvereine, konnte man ihm auch nicht weiterhelfen. In keinem der 37 Makkabi-Klubs gibt es eine Hockeyabteilung. Dort werden vor allem Fußball, Volleyball oder Basketball gespielt. Verbandspräsident Gideon Osterer sieht Rosenthals Vorhaben deshalb mit Wohlwollen. „So eine Initiative ist zwar nicht der Normalfall“, sagt Osterer. „Aber wenn es genügend Spielerinnen gibt, nehmen wir sie gerne mit.“ Insgesamt werden im Sommer etwa 150 jüdische Sportler aus Deutschland nach Israel reisen.

Sollten die Hockeyspielerinnen mitkommen, sind sie nicht gerade ein Medaillengarant. „Es geht uns vor allem um das Dabeisein“, sagt Gert Rosenthal. Die Konkurrenz aus Australien, Argentinien und den Niederlanden ist stark. Außerdem sind die bisher angemeldeten Spielerinnen eine bunte Mischung: Sie spielen in fast allen Ligen, von der Verbandsliga aufwärts. Nur Rebecca Landshut aus Hamburg tritt normalerweise in der Bundesliga an. Und ein großer Teil des Teams spielt sogar noch in den Jugendklassen, so wie Deborah Hermanns. Die 16 Jahre alte Torhüterin vom Berliner SC musste nicht lange überlegen, als sie von der Makkabiade-Mannschaft hörte. „Es wäre schon cool, das jüdische Deutschland in Israel zu vertreten“, sagt sie. Sie würde sich vor allem freuen, dann Juden aus aller Welt treffen zu können. „Die Makkabiade ist ja ein bisschen so wie kleine Olympische Spiele.“

Das macht auch für Gert Rosenthal den Reiz aus. Er war während der letzten Spiele in Israel. „Im ganzen Land spürte man eine tolle Stimmung“, sagt Rosenthal. Ein Stadion hat er allerdings damals nicht besucht. Sollte sein Traum von einer Liste zur Wirklichkeit werden, könnte er dieses Versäumnis schon bald nachholen.

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