Sport : Der Traum von Platz neun

Aufsteiger 1. FC Union hat schon jetzt für 2008 die eingleisige Regionalliga im Blick

Karsten Doneck

Berlin - Dirk Zingler ist ein vorausschauender Mann. Sein Weitblick endet deshalb nicht mit dem Ende der nächsten Saison. „2008“, sagt Zingler so bedeutungsvoll, als sei dieser Zahl eine gewisse Magie eigen, „da müssen wir mindestens Platz neun erreichen.“ Der Präsident des 1. FC Union hat dabei die anstehende Neugliederung der Fußball-Regionalliga im Sinn. Nur wer in zwei Jahren zur oberen Hälfte der Tabelle zählt, kommt in die neu zu bildende eingleisige Dritte Liga. „Darüber können wir uns nicht erst in zwölf Monaten den Kopf zerbrechen“, sagt Zingler.

Mit einem Etat von 3,6 Millionen Euro startet der Aufsteiger am 6. August bei Hertha BSC II in die Saison. Was sich nach einem ganzen Batzen Geld anhört, relativiert sich jedoch. Nur 1,7 Millionen Euro des Gesamtbetrags entfallen auf die erste Männermannschaft – ausschließlich an Personalkosten. Der Rest des Geldes wird anderweitig gebraucht: 400 000 Euro kostet der Amateur- und Nachwuchsbereich, rund 600 000 Euro sind vorgesehen für Sachleistungen wie Reisen zu den Auswärtsspielen.

Mit seinem Etat liegt Union im unteren Drittel der Liga. Ein aufstiegswilliger Klub wie der FC St. Pauli kalkuliert mit 4,1 Millionen Euro. Und selbst ein eher mittelmäßiger Verein wie der Wuppertaler SV wirtschaftet mit 2,5 Millionen. Bei derlei finanziellem Ungleichgewicht hat für Union der Klassenerhalt zunächst einmal Priorität. Sportdirektor Jörg Heinrich spricht davon, dass man danach „mit einer eingespielten Mannschaften höhere Ziele angehen“ wolle. Höhere Ziele – das ist für 2008 mindestens Platz neun.

Prominentester neuer Spieler ist Nico Patschinski. Der 29-Jährige stieg vorige Saison mit LR Ahlen aus der Zweiten Liga ab. Vier Vereine hat Patschniski in den letzten sechs Jahren mit seiner Anwesenheit beglückt. Viel fehlte nicht, und er wäre zwischendurch mal beim Eishockey gelandet. Im Dezember 2002 machte er beim BSC Preussen in Berlin ein Probetraining und stellte sich dabei auf Schlittschuhen gar nicht so dumm an.

Patschinski zeigte, obwohl leicht angeschlagen, gestern im Testspiel gegen den Zweitligisten Hansa Rostock eine ordentliche Leistung. Die Berliner gewannen vor 2800 Zuschauern an der Alten Försterei 1:0 (1:0). Das einzige Tor erzielte Karim Benyamina. „Nur nicht ausflippen!“, warnte Trainer Schreier nach dem Sieg. Es ist nicht seine einzige Sorge. Kummer macht Union auch, dass mit Jörg Schwanke und Tobias Kurbjuweit zwei Spieler weiter auf der Gehaltsliste stehen, mit denen Schreier nichts mehr zu tun haben will. „Es ist der ausdrückliche Wunsch des Trainers, mit beiden nicht mehr zusammenzuarbeiten“, sagt Heinrich. Schwanke und Kurbjuweit, beide noch unter Vertrag bis 2007, seien leistungsmäßig hinter den Erwartungen geblieben. Hinter vorgehaltener Hand wird zumindest Schwanke vorgeworfen, auch mal eine Intrige gesponnen zu haben.

Sonst fehlen Unions Fans, stets liebevoll besorgt um ihren Verein und höchst leidensfähig, in diesem Vorsaison-Stadium noch die Reizthemen. Also wird in ihrem Internet-Forum am meisten um die neuen Trikots gezankt. Die haben rot- weiße Querstreifen. Und Querstreifen machen dick, heißt es. Also empört sich ein gewisser „Sadowa“ über die Trikots: „Für den durchschnittlichen Union-Fan völlig unbrauchbar – da ca. 50 Prozent von uns einen Bierbauch vor sich herschieben.“ Sorgen haben die.

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