Sport : Der Trend geht nach Europa

Deutsche Profis sind wieder gefragt.

Bremen - Noch kann Joachim Löw die große Mehrheit seiner Spieler vor der eigenen Haustür beobachten, wenn sie in Freiburg oder Stuttgart vorspielen. In Zukunft wird der Bundestrainer wohl häufiger ins Ausland reisen müssen, um alle Nationalmannschaftskandidaten im Blick zu behalten. Die Top-Klubs aus ganz Europa haben längst wieder ihr Faible für den Fußball „Made in Germany“ entdeckt. Das Interesse des FC Arsenal an Lukas Podolski (siehe Text links) ist der nächste Beweis für den Trend. Ein EM-Triumph würde Schwarz-Rot-Gold noch mehr zum Exportschlager machen.

„Es spricht für die Qualität des deutschen Fußballs, wenn unsere Spieler von großen Vereinen im Ausland wieder gefragt sind“, sagte Löw zu der Entwicklung. Noch im WM-Kader 2010 standen nach dem Ausfall von Michael Ballack ausschließlich Bundesliga-Profis. Angekurbelt durch den imponierenden Sturmlauf in Südafrika wechselten bereits Mesut Özil und Sami Khedira zu Real Madrid. Miroslav Klose blüht bei Lazio Rom noch einmal auf, und Per Mertesacker erfüllte sich mit dem Wechsel zum FC Arsenal einen Kindheitstraum.

„Sami Khedira, Mesut Özil, Per Mertesacker und Miroslav Klose profitieren von diesen Wechseln, sie können ein größeres Selbstwertgefühl daraus ziehen. Das Ausland bringt sie in ihrer Persönlichkeit und sportlichen Entwicklung weiter“, sagte Löw. Regelmäßig trifft sich der Bundestrainer bereits in Madrid zum Gedankenaustausch mit Real-Trainer José Mourinho, einem bekennenden Fan des deutschen Jugendstils. Auch Frankreichs Trainer Laurent Blanc schwärmte vor dem Länderspiel in Bremen: „Deutschland verfügt über ein Reservoir an jungen Spielern, das ganz anders geartet ist als noch vor 20 oder 30 Jahren. Ihr Spiel ist viel schneller geworden.“

Kapitän Philipp Lahm stand schon vor Jahren beim FC Barcelona auf dem Zettel. Torhüter Manuel Neuer hätte statt zum FC Bayern auch zu Manchester United wechseln können. Besonders die jungen Dortmunder haben Begehrlichkeiten geweckt. Mario Götze wurde angeblich mit einer astronomischen Millionen-Offerte heftig vom FC Arsenal umworben.

Den richtigen Zeitpunkt für den Sprung ins Ausland zu finden, ist nicht leicht. Jerome Boateng wurde bei Manchester City nicht glücklich. Viele bitten vorab um Rat. „Für Mesut Özil war es klar, der hat nicht gefragt“, sagt Löw. „Aber andere sind gekommen und sagten: Trainer, Sie kennen doch die Vereine gut, was spielen sie für ein System, passe ich da rein?“ Auch beim Wechsel von Klose nach Rom gab es Zweifler, ob sich der sensible Pfälzer dort zurechtfinden würde. Doch in Italien hat Klose sich offenbar gut eingerichtet. Löw: „Der Miro hat den richtigen Schritt gewählt.“ dpa

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