Sport : Der Trend-Spieler

Malik Fathi steht exemplarisch für die Entwicklung von Hertha: läuft es bei ihm, läuft es für den Klub

Michael Rosentritt

Berlin - Malik Fathi bewies viel Geduld, als er gestern nach dem Training länger als seine Mitspieler für Handyfotos und Autogramme bei den Fans stehen blieb. Geduld kann eine wertvolle Fähigkeit sein in der überdrehten Branche Profifußball. Nach einer zerfahrenen Saison könnte sie sich für Fathi auszahlen. Wenn Hertha BSC morgen Borussia Dortmund empfängt, wird sich zeigen, „wie stark das neue Gebilde ist“, sagte Herthas Trainer Karsten Heine. Was im Großen für Hertha, gilt im Kleinen für Malik Fathi. Und umgekehrt. Gelingt es dem Linksverteidiger, seinen Aufwärtstrend fortzusetzen, sollte es auch für Hertha wieder besser laufen.

Viele sahen in der Formschwäche Fathis ein Scheitern des Nachwuchs-Konzepts des Berliner Bundesligisten. Fathi, der seit 2001 von der Jugend an in der Nachwuchsakademie von Hertha aufgebaut wurde und im vorigen Sommer sogar Nationalspieler wurde, galt als Vorzeigespieler des Vereins. Anfang November 2003 kam Fathi zu seinem ersten Einsatz in der Bundesliga, im August 2006 gab er sein Debüt in der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw. Er vereine Talent mit Charakter, sagte seinerzeit Herthas Manager Dieter Hoeneß. Zudem eignete Fathi sich als Integrationsfigur in der auch aus Geldmangel mit Nachwuchsspielern aufgefüllten Profimannschaft. Der Deutsche mit einem türkischen Vater galt als Bindeglied zwischen den älteren und jungen Spielern beim Bundesligisten. Fathi war etablierter Stammspieler, aber auch noch nicht so weit weg von den Themen und der Sprache der 18- und 19-Jährigen im Team. Vor allem aber zeigte er Biss, den Manager Hoeneß und Trainer Falko Götz bei Spielern wie Alexander Madlung und Thorben Marx vermissten. Madlung und Marx verließen Hertha. Fathi blieb.

Malik Fathi erwischte keinen besonders guten Saisonstart. Ursachen dafür gab es viele. Götz, der einst als sein größter Förderer galt, kritisierte den Linksverteidiger. Er solle sein Offensivspiel verbessern. Er sehe keine Entwicklung mehr. Schließlich wurde Fathi immer öfter ausgewechselt, bis er irgendwann nicht mehr in der Anfangself stand. „Ich weiß, dass ich mein Offensivspiel verbessern muss“, sagte Fathi im Herbst, „aber wichtig ist die richtige Balance. Wenn du dauernd rauf- und runterläufst, fehlt die Konzentration für die Defensive.“ Fathis Offensivspiel war noch nicht das, was Götz vorschwebte, aber sein Defensivspiel war nicht mehr das, was es einmal war und ihn in die Nationalmannschaft gebracht hatte.

Von einem Scheitern Fathis ist ebenso wenig zu sprechen, wie von einem Scheitern des Nachwuchs-Konzeptes. Vielmehr stehen Fathis Leistungen exemplarisch für die Entwicklung der Mannschaft. Eine Mannschaft mit vielen jungen Spielern unterliegt größeren Schwankungen als eine mit gestandenen Profis. Formschwankungen sind das eine, der Umgang mit ihnen das andere. Als Hertha bei Saisonhalbzeit auf Platz fünf stand, sprach Hoeneß noch davon, dass die Mannschaft gar nicht wisse, wie gut sie eigentlich sei. Das war wenig hilfreich, denn sie verstellte den Blick auf eine Hinrunde, die mit viel Glück so erfolgreich verlief.

Karsten Heine, der Falko Götz vor knapp zwei Wochen ablöste und bisher als U-23-Trainer im Verein tätig war, hat die Entwicklung der Profimannschaft verfolgt. So weit er das beurteilen könne, „ist der Malik mit seinen Leistungen selbst nicht so zufrieden gewesen“. Bei gelegentlichen Einsätzen in Herthas zweiten Mannschaft habe Fathi aber „in der Defensive wieder stabil gespielt“, sagt Heine. Vor einer Woche in Bochum, im ersten Spiel der Profimannschaft unter Heine, habe Fathi diesen vorsichtigen Aufwärtstrend erfreulicherweise bestätigt. „Er wirkte in den vergangenen Tagen selbstbewusster“, sagt Heine. Der Trainer ist sich sicher, dass „der Malik an sein altes Leistungsvermögen herankommt“. Für den Spieler wäre das nicht das Schlechteste, für Hertha auch nicht.

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