Sport : Der Triumph nach der großen Leere

Sawtschenko/Szolkowy feiern ihren größten Titel

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Perfekt in Pink. Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy liefen in Moskau mehr als fehlerfrei. Foto: AFP
Perfekt in Pink. Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy liefen in Moskau mehr als fehlerfrei. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Da stand sie nun, ein zierliches Persönchen, einen rosaroten Plüschpanther an die schmale Brust gedrückt, und redete sich direkt in die Herzen der gerührten Fans. „Danke“, sagte Aljona Sawtschenko ergriffen ins Mikrofon. „Danke. Ich bin sehr glücklich, wir sehen uns in Sotschi.“ 2014 also, bei den Olympischen Winterspielen. Aljona Sawtschenko, die gebürtige Ukrainerin, hatte es auf Russisch gesagt, die Fans in der Megasport-Arena in Moskau klatschten begeistert. Es war der Beifall für ein sportliches Gesamtkunstwerk. Beifall für diese grandiose Kür von Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy bei der Eiskunstlauf-WM, für diese Eleganz, diese Perfektion, diese Ausstrahlung, die mit 217,85 Punkten und Gold belohnt wurden. Und Beifall für diese Art des Danks und der Zuwendung an die Fans.

Zum dritten Mal sind Sawtschenko/Szolkowy Weltmeister geworden, aber noch nie war der Titel so wertvoll wie jetzt. Alles an dieser Trophäe hat eine historische und besondere emotionale Note. 217,85 Punkte sind Weltrekord. Die Chemnitzer, angeleitet vom exzellenten Trainer Ingo Steuer, haben mit ihrem dritten Titel die deutschen Doppelweltmeister Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler überholt, vor allem aber haben sie noch nie ihre professionelle Einstellung so überzeugend bewiesen wie in Moskau.

Der Termin war das Problem, diese WM Ende April. Eigentlich sollten die Titelkämpfe Ende März stattfinden, aber die Reaktorkatastrophe in Japan wirbelte alles durcheinander. Die WM in Tokio wurde abgesagt, in kurzer Zeit musste eine Ersatz-WM in Moskau organisiert werden. Die Organisation war dann letztlich kein großes Problem, das größere Problem hatten die Sportler. Wie motiviert man sich, wenn alles auf einen Tag Ende März ausgerichtet ist? Vier Wochen sind eine lange Zeit am Ende einer Saison; die ganze Spannung fällt ab. „Wir befanden uns kurze Zeit wie in einem luftleeren Raum“, sagte Steuer kurz vor der WM der „FAZ“. „Es war so, als ob man einen Stecker herausgezogen hätte.“

Eigentlich wollten Sawtschenko/Szolkowy im April Geld verdienen, sie waren zu Shows eingeladen, sie leben vor allem von diesen Geldern. Und überhaupt, wo sollten sie trainieren? In ihrer Trainingshalle gibt es normalerweise nur bis Ende März Kunsteis. 40 000 Euro trieben Bundesinnenministerium, die Stadt Chemnitz und das sächsische Kultusministerium auf, damit weitere vier Wochen Eis liegen konnte. Aber die Athleten, die auf diesem Eis trainieren mussten, waren gedanklich von einer WM-Atmosphäre weit weg. „Man tut sich vom Kopf her ein bisschen schwer“, sagte Szolkowy.

Schwer? Nichts davon zu sehen in Moskau, fast unglaublich, wie perfekt sie ihre Kür zelebrierten zur Musik von „Pink Panther“, dieser leichten Filmmusik. „Ein perfekter Auftritt“, sagte Sawtschenko in Moskau den Journalisten. „Sensationell, was sie gezeigt haben“, erklärte Steuer.

Was sie in Moskau gezeigt haben, das kommt ja noch hinzu. „Die Höhle des Löwen“, das war für Steuer die Arena. Moskau ist das Revier von Tatjana Wolososchar und Maxim Trankow. Sie sollen in Sotschi Gold holen, sie haben in Moskau gezeigt, wie gefährlich sie den Deutschen dort werden können. Sie holten Silber.

Silber, noch ein Triumph für den Choreographen und Trainer Steuer. Er hatte Wolososchar bis vor einiger Zeit in Chemnitz trainiert. Damals lief sie noch mit Stanislaw Morosow. Steuer hat seinen Anteil daran, dass das russische Paar nun der größte Rivale bei den Olympischen Spielen wird. Aber Sotschi ist in drei Jahren, eine verdammt lange Zeit. Bis dahin, sagte Aljona Sawtschenko, „müssen wir erst einmal überleben“.

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