Sport : Der Trost der Unwägbarkeit (Kommentar)

Helmut Schümann

Am Vortag noch war Uli Hoeneß nicht mehr ganz bei sich. "Die Stadt brennt", sagte der Manager des FC Bayern, "ich brenne, alles brennt, wir können es schaffen." Nun, sie haben es nicht geschafft, sind ausgeschieden aus der Champions League gegen Real Madrid. Und der Manager war wieder ganz bei sich, so wie er nahezu Jahr für Jahr irgendwann im Laufe des bedeutendsten europäischen Wettbewerbs bei sich war: versteinerte Miene, traurige Augen, hängende Schultern und schlurfender Abgang.

24 Jahre ist es her, dass der FC Bayern München den Europapokal der Landesmeister gewinnen konnte. 24 Jahre, die Uli Hoeneß als Manager einer Wiederholung hinterherläuft. Nah dran war er oft, damals gegen Porto, als ein Hackentrick von Madjer den Pokal wegkickte, oder im vergangenen Jahr, als Manchester 120 Sekunden vor dem Triumph diesen zunichte machte. Und diesmal? Vielleicht war es die Zeit eines Wimpernschlages, die Stürmer Jancker zu spät aus dem Abseits lief. Vielleicht war es ein Bruchteil von Respekt, der Verteidiger Kuffour zögern und Gegenspieler Anelka zum Kopfball kommen ließ. Vielleicht war es auch die Übermacht Effenbergs, der im Hinspiel verletzt fehlte und einen führungslosen Haufen hinterließ. Vielleicht, und alles wäre anders gekommen.

Vielleicht kann man aber auch einmal ganz einfach sagen, dass es Pech war, was die Bayern diesmal scheitern ließ. Und dann hat auch dieses Ausscheiden wieder etwas tröstliches, weil die Unwägbarkeit eben doch noch eine große Rolle spielt im Spiel ums große Geld. Weil eben der FC Bayern nicht daran gescheitert ist, dass die englische, italienische oder spanische Konkurrenz mehr Geld zur Verfügung hat. Den Schluss hatten die Kommentatoren vom Übertragungssender tm 3 gezogen und damit so etwas von danebengelegen. Denn das hieße doch, dass die Spieler der Münchner international nur zweite Wahl seien. Eine Einschätzung, gegen die sich der weltbeste Torwart (Oliver Kahn), einer der weltbesten Mittelfeldspieler (Stefan Effenberg) und eines der weltbesten Sturmduos (Paolo Sergio und Giovane Elber) mit Vehemenz und mit Recht wehren dürften. Nein, der FC Bayern gehört genau da hin, wo er ist: in die europäische Spitze. Denn mit der kann er mithalten.

Was dann bleibt nach dieser grandiosen Nacht, nach diesem leidenschaftlichen Versuch, das Glück zu zwingen? Nichts. Nur weitermachen, auf ein Neues, vielleicht im 25. Jahr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben