Sport : Der U-20-Tabellenführer

Die Berliner Eisbären überzeugen mit vielen jungen Spielern

Claus Vetter

Berlin. Vorlage und Tor! Und trotzdem will beim Assistenten des Treffers keine Freude aufkommen? Kein Wunder, seine erste große Szene im Trikot der Eisbären hatte sich Tobias Draxinger anders vorgestellt. Mit einem Querpass vor dem eigenen Tor hatte der 18-jährige Eishockeyprofi einen Augsburger Gegenspieler bedient, der den Puck ins Berliner Tor schieben konnte. Der junge Draxinger schlich mit gesenktem Haupt zur Auswechselbank. „Ich wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken“, sagte er später.

Das war aber nicht nötig, die Eisbären gewannen ihr Heimspiel im Sportforum dann doch noch. Das 4:2 gegen Augsburg war der dritte Sieg im dritten Saisonspiel, seit Freitag sind die Berliner Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Nach dem Spiel gegen die Panther lächelte Draxinger dann auch. „Der Trainer hat mir gesagt: Vergiss es. Und zwar sofort“, sagte der gebürtige Münchner. „Ich kann doch nicht erwarten, dass den Jungs alles gelingt“, sagte sein Coach, Pierre Pagé. „Aus Fehlern lernen sie schließlich.“ Und das anscheinend schnell. Obwohl die Eisbären seit Wochen auf viele erfahrene Spieler verzichten müssen, stehen sie blendend da. Acht Spieler, die jünger sind als 20, wurden bereits eingesetzt.

Das ist einmalig in der DEL. Das von der Liga eingeführte Unwort „Förderlizenzspieler“ – so werden Spieler unter 23 Jahren bezeichnet, von ihnen muss jedes Team drei in der Aufstellung haben – bedeutet im Regelfall: Gemütlicher Dauersitzplatz auf der Auswechselbank. Natürlich, die vielen Ausfälle prominenter Akteure – derzeit fehlen mit Felski, Tomlinson, Persson, Roberts, Corriveau und Bergen gleich sechs davon – geben der Jugend bei den Eisbären ihre Chance. „Es ist toll, wie sehr uns die älteren Spieler helfen, mit uns reden“, sagt Draxinger. „Jeder ältere Spieler sollte einen jüngeren adoptieren“, sagt Pagé.

Der 20-jährige Stürmer Alexander Barta etwa, hat in der vergangenen Saison den einen oder anderen Tipp von Yvon Corriveau bekommen und in seiner zweiten Saison als Profi schon fünf Scorerpunkte auf seinem Konto. „Dass, was Alex geschafft hat, motiviert uns Jüngere natürlich zusätzlich“, sagt Draxinger. Sicher werden ein paar der jungen Spieler aus dem Team verschwinden, wenn die anderen wieder fit sind. „Aber auch das beinhaltet einen Lernprozess für die Jungs“, sagt Pagé. „Sie müssen lernen, sich durchzusetzen.“ Das ist bei den Eisbären nicht einfach: 18 Stürmer sind im Kader, maximal zwölf davon kommen pro Partie zum Einsatz. Andere DEL-Klubs haben nicht viel mehr als diese zwölf im Aufgebot.

Auch die Kölner Haie, bei denen die Eisbären heute antreten, machen da keine Ausnahme. Dabei hat dort mit Bundestrainer Hans Zach ein bekennender Nachwuchsfan das Sagen. Lee sagt: „Bei der Nachwuchsförderung kann man dem Hans aber keinen Vorwurf machen. Es ist doch erstaunlich, was er für das deutsche Eishockey geleistet hat.“

Nicht minder erstaunlich ist allerdings, dass der Chef-Nachwuchstrainer des Deutschen Eishockey-Bundes, Ernst Höfner, wenig Interesse an den Eisbären zeigt. Mit Verteidiger Frank Hördler ist gerade mal ein Eisbären-Spieler im Kader der U-20-Nationalmannschaft. „Schade“, sagt Lee. „Aber der Höfner schaut eben nicht bei uns vorbei.“ Sollte er aber vielleicht mal machen.

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