Sport : Der überraschte Favorit

Alba verliert das erste Finalspiel 79:88 und steht nun am Donnerstag in Köln unter enormem Druck

Benedikt Voigt

Berlin - So hat man die Spieler von Alba Berlin in der Max-Schmeling-Halle schon länger nicht mehr gesehen. Mit hängenden Schultern und Köpfen schlichen die Berliner vom Feld. Erst zum zweiten Mal in dieser Spielzeit hatten sie ein Heimspiel verloren, diesmal allerdings ein enorm wichtiges. Es war das erste Finalspiel um die deutsche Meisterschaft, in dem Alba Berlin dem Überraschungsfinalisten Rhein Energie Köln 79:88 (36:35) unterlag. Die Berliner liegen in der Serie nach dem Modus „Best of five“ mit 0:1 zurück und stehen nun am Donnerstag in Köln (20 Uhr, live bei Premiere) unter gestiegenem Druck. Zumal Köln nach dem Sieg im Halbfinale über den Deutschen Meister Bamberg mit enormem Selbstvertrauen in Berlin aufgetreten ist.

„Wir haben nicht aggressiv genug gespielt“, sagte Albas Stephen Arigbabu. Die Berliner mussten erstmals auf den verletzten Jovo Stanojevic verzichten, dessen Fehlen sich vor allem am Ende des Spiels schmerzlich bemerkbar machte. Da verabschiedeten sich nacheinander Sharrod Ford, Quadre Lollis und Luke Whitehead mit fünf Fouls. Bis dahin hatte Centerspieler Ford, der auf zehn Punkte und sieben Rebounds kam, eine gute Leistung gebracht. Lollis leistete Schwerarbeit unter beiden Körben und war mit 21 Punkten bester Berliner Spieler. Alba kommt zwar in diesem Duell zugute, dass Köln in Marcin Gortat auch nur einen echten Centerspieler aufbieten kann. Stephan Arigbabu bekam von Trainer Henrik Rödl in der zweiten Halbzeit nicht mehr das Vertrauen geschenkt.

Der Kölner Guido Grünheid war von den 8117 Zuschauern wie sein Trainer Sascha Obradovic mit Sonderapplaus empfangen worden. Doch bereits nach wenigen Minuten musste der ehemalige Berliner Spieler mit einer blutenden Platzwunde das Feld verlassen. Ford hatte ihm bei einer Offensivaktion den linken Arm ins Gesicht gerammt. Er kehrte im zweiten Viertel mit einem Pflaster auf das Spielfeld zurück. Mit großem Applaus empfingen die Berliner Zuschauer auch Flügelspieler Mike Penberthy, dessen Einsatz bis zuletzt fraglich war und der dann in 16 Minuten neun Punkte erzielte.

Im zweiten Viertel ging Köln durch Grünheids Dreipunktewurf erstmals in Führung. Die Kölner wirkten selbstbewusster, konnten ihren Vorsprung gegen Ende des dritten Viertels erstmals auf acht Punkte ausbauen. Das letzte Viertel (51:57) begann aufregend, die Zuschauer hielt es nicht mehr auf ihren Sitzplätzen. Erst erhielt Albas Spielmacher Hollis Price sein viertes Foul, was viele Berliner Fans gegen das sicher leitende Schiedsrichtergespann aufbrachte. Dann erhielt Ford zwei schnelle Fouls – und musste mit fünf Fouls ausscheiden. Nun fehlte Alba für die letzten sechs Spielminuten der wichtigste Centerspieler. Näher als auf einen Punkt (63:64) kamen die Berliner nicht mehr an Köln heran. Nach Grünheids Ballgewinn mit Korbleger und Titus Ivorys Dreier lagen sie 65:75 zurück.

In der vorletzten Minute erhielt Trainer Henrik Rödl auch noch ein technisches Foul, nachdem er sich über eine Entscheidung der Schiedsrichter lautstark beschwert hatte, obwohl diese nach einer längeren Diskussion zu seinen Gunsten ausgefallen war. Empörte Zuschauer warfen die vorher verteilten Leuchtstäbe auf das Spielfeld. Entschieden war die Partie trotzdem noch nicht, weil Penberthy mit einem Dreier aus acht Metern sein Team noch einmal auf 73:79 heranbrachte. Erst als Greene ein absichtliches Foul dafür erhielt, dass er Jordan am Trikot festhielt, hatte Alba das erste Finalspiel endgültig verloren. „Ich bin trotzdem zuversichtlich“, sagte Penberthy, „ich glaube, wir sind das bessere Team, wir müssen das nur umsetzen.“ Die nächste Chance dazu bekommt er am Donnerstag in Köln.

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