Sport : Der Überraschungsgast

Die Eisbären bringen den Kölner Haien die erste Heimniederlage bei – beim Tabellenführer spielen sie 2:1

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Die Kölner Haie sind neuerdings ganz rührend besorgt um die Sicherheit ihrer Zuschauer. Vom Spielgerät getroffen zu werden ist beim Eishockey eine gefährliche Sache – und so weist der Hallensprecher das Publikum während einer Partie gleich mehrfach und zur allgemeinen Belustigung daraufhin, dass es doch bitte immer auf den Puck schauen möge. So wie das in Nordamerika aus versicherungstechnischen Gründen schon lange gemacht wird. Gestern Abend wären die Warnungen vielleicht nicht nötig gewesen, das Spitzenspiel der Deutschen EishockeyLiga (DEL) zwischen Köln und den Eisbären Berlin war so spannend, dass es keinen Grund gab, den Blick gelangweilt durch die Kölnarena schweifen zu lassen. Es endete jedoch mit einer Enttäuschung für die Mehrheit der 10 081 Zuschauer: Die Berliner siegten 2:1 (1:1, 1:0, 0:0) und fügten den Haien damit die erste Heimniederlage in der Saison zu.

Für die Eisbären war es bereits der vierte Sieg in Folge. Pierre Pagé war nach dem Spiel auch entsprechend erfreut. „Wegen der Länderspielpause haben wir vergangene Woche nur mit sieben Spielern trainieren können“, sagte der Berliner Trainer. „Deshalb bin ich über unseren Erfolg um so glücklicher.“

Die Berliner agierten sehr offensiv und aggressiv, mühten sich erfolgreich, das Spiel zu machen. Vom Kölner Führungstreffer durch Dave McLlwain, der in der zehnten Minute bei Kölner Überzahl fiel (Shearer und Walker saßen auf der Strafbank), ließen sich die Berliner nicht beirren, sie erhöhten sogar den Druck. Knapp sechs Minuten nach dem 1:0 herrschte ein riesiges Getümmel vor dem Tor von Chris Rogles, nach einem Pfostentreffer und mehreren erfolglosen Nachschüssen überwand schließlich Steve Walker den Haie-Torhüter. Es wurde leise in der Kölnarena – und so hörte man die ersten begeisterten Rufe der etwa hundert Berliner Fans.

Im Mitteldrittel entwickelte sich ein offener Kampf. Berlin blieb jedoch etwas aggressiver. Sechs Minuten Überzahl bis zur 30. Minute konnten die Eisbären nicht zur Führung nutzen, da Rogles wieder einmal sehr gut hielt. Gleiches galt aber für seinen Berliner Kollegen Oliver Jonas, der gegen Jonathan Coleman und Matthias Hart klärte. Etwas glücklich, aber nicht unverdient fiel das 1:2 für Berlin. Stefan Ustorf fälschte einen Weitschuss ins Tor ab. Der Puck sprang vom Pfosten hinter die Linie. Wieder wurde es leise in der Halle, die Berliner Fans beschworen in ihren Chören erstmals den „Auswärtssieg“, den die Haie verhindern wollten. Sie drängten auf den Ausgleich, kamen aber nie gefährlich durch, da sich die Eisbären sehr geschickt verteidigten. „Gegen dieses Berliner Bollwerk kamen wir nicht mehr an“, sagte Kölns Trainer Hans Zach nach dem Spiel.

Am Ende stand ein verdienter Sieg für die Berliner beim bislang in der Saison doch so starkem Tabellenführer aus Köln. Der Erfolg war um so erstaunlicher, als das den Berliner mit Beaufait, Busch und Hördler drei Stammspieler fehlten. Dafür gab der 19-jährige Stürmer Thomas Schenkel sein Debüt für die Eisbären in der DEL.

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