• Der umstrittene Trainer Lawrie McMenemy soll gehen, doch jetzt wurde ihm ein neuer Vertrag angeboten

Sport : Der umstrittene Trainer Lawrie McMenemy soll gehen, doch jetzt wurde ihm ein neuer Vertrag angeboten

Sebastian Arlt

Der Countdown lief. Nur noch zwei Spiele seien es glücklicherweise, dann sei das Kapitel Lawrie McMenemy endlich beendet, schrieben die Zeitungen in Belfast nach der 0:3-Niederlage der nordirischen Fußballer in der Europameisterschafts-Qualifikation am Sonnabend gegen die Türkei. Noch am Mittwoch in Dortmund gegen Deutschland, dann am 9. November in Finnland - nach der Qualifikation endet auch der Zweijahres-Vertrag des 61-jährigen Trainers. Unter seiner Führung haben die Nordiren bisher gerade einmal fünf Punkte aus sechs Spielen erreicht. 1997 hatte McMenemy den Job übernommen, den keiner haben wollte.

Doch dann geschah das, was Steve Beacom vom "Belfast Telegraph" in zwei Worte fasst: "A shock." Am Sonntag sickerte nämlich durch, dass der Verband, die Irish Football Association (IFA), völlig überraschend McMenemy ein neues Vertragsangebot gemacht hat. "Big Mac", wie der Trainer wegen seiner stattlichen Größe und seiner kräftigen Statur genannt wird, wird wohl annehmen.

Dabei waren die Abgesänge auf ihn und den nordirischen Fußball schon längst geschrieben. Entsprechend frostig ist das Klima zwischen dem Trainer und den britischen Medien im Hotel der Nordiren. Verbandspräsident Jim Boyce erklärt: "Ich habe in den letzten Jahren Fortschritte gesehen, gute junge Spieler kommen nach." Zum ersten Mal ist in dieser EM-Qualifikationsrunde auch eine Junioren-Auswahl unter 21 Jahren aus Nordirland dabei.

Man hat viele Pläne für die Zukunft, aber Realität ist, dass die Nordiren in dieser EM-Qualifikation wieder einmal ziemlich baden gegangen sind. Die Fußballfans unter den 1,6 Millionen Einwohnern wurden erneut bitter enttäuscht. Da bleiben nur noch die Erinnerungen an die großen Zeiten in den 80er-Jahren, als sich die Nordiren 1982 und 1986 sogar für die Weltmeisterschaft qualifiziert hatten.

An der Situation im nordirischen Fußball hat sich seither nichts geändert. Talente werden schon während der Schulzeit von wohlhabenden englischen Klubs geködert. Boyce hat Verständnis dafür: "Hier bei uns haben sie doch keine Chance." Doch meistens sitzen die etwa 30 momentan in England engagierten Nordiren dann später in der Premier League auf der Bank oder kicken in unteren Ligen.

Kein Spieler aus dem Kader für das Spiel gegen Deutschland verdient sein Geld in Nordirland selbst. Gleich in der ersten Uefa-Cup-Qualifikationsrunde sind - wie immer - alle nordirischen Klubs ausgeschieden. Nach drei Spieltagen führt momentan ein Team mit dem bezeichnenden Namen "Destillary". Es wird wohl noch lange dauern, bis man in Nordirland wieder einmal fröhlich auf die Fußball-Nationalmannschaft anstoßen kann.

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