Sport : Der unbedingte Wille

Hannover vor Augen, die Play-offs im Sinn: Wie die Eisbären nach mentaler Stärke suchen

Claus Vetter

Berlin. Pierre Pagé sitzt im „Overtime“, der Sportsbar des EHC Eisbären im Bezirk Hohenschönhausen. Der Blick des Trainers fällt auf die Konrad-Wolf-Straße. Am Straßenrand wird gerade für schlechte Nachrichten gesorgt. Pagés Auto parkt im Halteverbot. Nun klebt ein grüner Zettel hinter dem Scheibenwischer. Pagé nimmt es mit Humor. „Es gibt für mich Wichtigeres als einen Strafzettel.“ Zum Beispiel den Endspurt in der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), der heute für die Eisbären mit dem Spiel in Hannover beginnt.

Neun Spiele sind es noch bis zu den Play-offs. Nach dem Scheitern im Vorjahr, als für die Eisbären im Halbfinale die Saison ihr jähes Ende fand, ist die Anspannung beim Trainer des Tabellenführers zu spüren. Von Rang eins aus wollen die Berliner auch in die Play-offs gehen. „Mentale Robustheit macht in dieser Saisonphase den Unterschied, das unbedingte Wollen“, sagt Pagé. „Das ist noch entscheidender als spielerische Fähigkeiten.“ Jetzt sei Psychologie gefragt. „Schade nur, dass wir hier keinen Psychologen haben. In Amerika haben manche Teams sogar zwei. Einen für die Spieler und einen fürs Management.“ Auch DEL-Klubs haben schon mentalen Beistand in Anspruch genommen, etwa die Kölner Haie vor zwei Jahren. Die sind dann Meister geworden. Eisbären-Manager Peter John Lee, der neben Pagé sitzt, lacht. „Psychologe? Das haben wir in meiner aktiven Zeit in Düsseldorf mal probiert. Es endete in einer Katastrophe. Jeder hat bei dem über jeden geschimpft. Am Ende wurde unser Trainer gefeuert.“

Bei den Eisbären muss der Trainer den Psychologen spielen. Vergangenes Jahr hat es ja nicht ganz so gut geklappt. Woran lag es denn? „Wenn ich darauf eine Antwort hätte, wären wir Meister geworden“, sagt David Roberts. „Aber dieses Jahr hat unsere Mannschaft sehr viel Charakter.“ Roberts kommt heute nach zweimonatiger Pause (Innenbandriss) zu seinem Comeback, wie auch Florian Keller, der sechs Wochen (Rückenprobleme) nicht spielte. „Damals haben wir versagt, weil irgendetwas nicht gestimmt hat“, sagt Keller. Was „irgendetwas“ heißt, sagt er nicht. Im entscheidenden Moment hätte es um die Kommunikation im Team und mit dem Trainer wohl besser bestellt sein können. „Doch diesmal ist das Finale drin“, sagt Keller. „Wenn wir alle an einem Strang ziehen, gute Stimmung im Team ist das Wichtigste.“

Das weiß auch Trainer Pagé. Wie lassen sich denn Stimmung und Konzentration im Saison-Endspurt hochhalten? Müssen die Spieler wieder ins Hotel, schicken die Nordamerikaner im Team ihre Familien wieder vor den Play-offs in die Heimat? Pierre Pagé lacht. „Wenn alles so einfach wäre, wie mit meinem Strafzettel“, sagt er. „Ich habe falsch geparkt und werde zurecht bestraft. Aber ich bin mir sicher, das uns schon etwas einfallen wird.“ Auch ohne Psychologen.

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