Sport : Der Undiplomat

-

Daniel Pontzen über die

mangelnde Loyalität des Reiner Calmund

Es ist eines der dringlichsten Bedürfnisse des Fußballfreundes Reiner Calmund, nichts unerwähnt zu lassen. Nur damit alle Bescheid wissen also, hat der mitteilsame Manager des darbenden FußballVereins Bayer Leverkusen berichtet, es sei kein wirtschaftliches Problem, Trainer Klaus Toppmöller vor die Türe zu setzen. Zur ordentlichen Beweisführung gewährte er bereitwillig Einsicht in die vertraglichen Vereinbarungen mit dem Trainer, und, siehe da, bloß sechs Monatsgehälter müsste Bayer an Toppmöller zahlen, sollte dessen Liquidierung Bayer demnächst unvermeidlich erscheinen.

Nun ist es nicht neu, dass Calmunds Formulierungskünste nicht eben aus dem Fortgeschrittenenkurs einer Diplomatenschule herrühren. Er schätzt eine ehrliche, manchmal recht deftige Sprache, das hat ihm auch einigen Ruhm eingebracht; Reiner, Mann des Volkes. Jetzt aber übertreibt Calmund mit seinem Mitteilungsdrang, denn die fortschreitende Demontage Toppmöllers ist für Bayer im Kampf gegen den Abstieg erneut nur die zweitbeste Lösung. Zumal sich eine ungewohnte Subtilität in Calmunds Ausdrucksweise geschlichen hat. Ob im Sportstudio oder bei Pressekonferenzen, Calmund zieht Toppmöllers Eignung für die Leitung des Projekts Klassenerhalt unterschwellig so hartnäckig in Zweifel, dass eine vollständige Rehabilitation des angeschlagenen Trainers kaum mehr möglich sein wird. Toppmöller darf sich noch von Spiel zu Spiel hangeln, mehr nicht. Inzwischen hat sich Calmund sogar eine Einflussnahme bei der Aufstellung erbeten.

Zweifellos, es ist ein natürlicher Reflex, bei Misserfolgen die Verantwortlichen in Frage zu stellen. Eine eigene Mitschuld hat Calmund indes zum Tabu erhoben. Makaber sei der Gedanke, nach all den schönen Erfolgen der letzten Jahre. Dabei übersieht Calmund, dass er mit der Anfechtung von Toppmöllers Tauglichkeit indirekt ein eigenes Verschulden eingesteht. Denn sollte der Trainer gut anderthalb Jahre nach seiner Einstellung erneut als ungeeignet für die langfristige Besetzung des Trainerpostens ausrangiert werden, wäre er nach Stepanovic, Ribbeck und Vogts ein weiterer Fehlgriff des Managers. Zehn Trainer haben seit 1988 bei Bayer gearbeitet, nur ein Manager.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben