Sport : Der ungezähmte Widerspenstige

Frings glänzt für Werder und schimpft auf Löw

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Wolfsburg - Was als Gratulation gedacht war, kam bei ihm als Provokation an. Die vielen Menschen, die Torsten Frings zu seinem schönen entscheidenden Tor gratulierten, bedachte der Kapitän von Werder Bremen mit schnippischen Worten. „Unglaublich, oder? Auch ich kann Fußball spielen“, sagte der Profi, der sein Team zum 4:2 (1:2)-Erfolg beim VfL Wolfsburg geführt hatte. Nicht entgangen war das auch Bundestrainer Joachim Löw. „Es interessiert mich nicht, ob der im Stadion war“, meinte der Mittelfeld-Routinier, den Löw in seinem Team nicht mehr spielen lassen möchte.

Wen auch immer Löw in Wolfsburg beobachtet hat: Mit Frings gab es auf und neben dem Platz einen Fußballer zu sehen, der etwas mit dem Ball anfangen kann und der dazu noch etwas zu sagen hat. Der Antreiber und Kämpfer erkämpfte nicht nur die Bälle für die Bremer Spielmacher Mesut Özil und Marko Marin; er führte vor allem Werder wieder in eine Region der Tabelle, in der es um die Qualifikation für die Champions League geht. Die Leistung des 33-Jährigen, der einen Foulelfmeter verwandelt hatte und beim vorentscheidenden 3:2 den Wolfsburger Verteidiger Andrea Barzagli düpierte, verdiente so viel Applaus, dass sich die Nationalmannschafts-Frage nahezu aufdrängte. Aber im Gegensatz zu Schalkes Stürmer Kevin Kuranyi, der die Debatte um seine Rückkehr ins Nationaltrikot mit Toren und vorsichtigen Sätzen begleitet, wählte der Bremer den für ihn typischen Weg. „Die Hoffnung auf eine Rückkehr in die Nationalmannschaft ist mir genommen worden. Und es weiß doch jeder, dass es in der Nationalmannschaft nicht immer nur nach Leistung geht“, sagte Frings, der sich in seiner Rolle als Widerspenstiger weiterhin gut gefällt – und damit wohl endgültig den Kreis der Nationalspieler verlassen hat.

Die Frage, ob der kantige Frings der Nationalmannschaft als unzufriedener Reservist mehr schaden als nutzen würde, bleibt berechtigt. So bewundernswert es auch ist, dass sich dieser gestandene Profi seinen eigenen Kopf bewahrt und gerne Position bezieht: Etwas zu deftig fielen seine Worte in Richtung Bundestrainer aus, den er offenbar nur noch als „er“ und „der“ bezeichnet. Christian Otto

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