Sport : Der unkalkulierte Sieg

Haas und Waske gewinnen im Doppel nach 0:2-Rückstand

Stefan Hermanns

Alsdorf. Der Mann, der den Daviscup nach Alsdorf gebracht hatte, schaute gar nicht glücklich aus, als der Daviscup Alsdorf lobte. Thomas Haas und Alexander Waske sprachen warme Worte an das Publikum, doch Jacques Kloppert, der Veranstalter, hatte den Kopf in den Nacken gelegt und kratzte sich ausgiebig am Kinn. Was die Zuschauer begeistert hatte, stimmte Kloppert ganz offensichtlich nachdenklich: Das deutsche Daviscup-Team steht nach dem Fünfsatzerfolg des Doppels Thomas Haas/Alexander Waske (2:6, 5:7, 6:2, 6:4, 6:3 gegen Ram/Ehrlicher) schon vorzeitig als Sieger der Partie gegen Israel fest. „Der erste Schritt ist getan“, sagte Teamchef Patrik Kühnen. Der zweite soll Ende September folgen, wenn das deutsche Team die Chance zur Rückkehr in die Weltgruppe hat. Der Gegner dafür steht noch nicht fest.

Für den Deutschen Tennis Bund ist die vorzeitige Entscheidung ein erfreuliches Ergebnis, für den Veranstalter aber ist am späten Samstagnachmittag das schlimmste aller möglichen Szenarien eingetreten. Am ersten Tag war die Halle mit 2300 Zuschauern ausverkauft, gestern war sie noch zu zwei Dritteln gefüllt – was heute sein wird, wenn die beiden nur noch statistisch wertvollen Einzel gespielt werden, kann man sich leicht ausrechnen.

Die Entscheidung von Patrik Kühnen, Haas und Waske zum ersten Mal gemeinsam ein Doppel bestreiten zu lassen, sah zunächst aus wie eine Konzession an den Veranstalter. Doch aus der kalkulierten Niederlage gegen das achtbeste Paar der Welt wurde ein unerwarteter Sieg. „Am Anfang war es ein bisschen holprig“, sagte Kühnen hinterher. Doch nach den beiden Siegen von Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer am Freitag hatte der Teamchef „nicht die Notwendigkeit gesehen, einen Spieler drei Tage in Folge einzusetzen“.

Immerhin erlebte Alsdorf auch so eine Reminiszenz an große Tage des deutschen Tennis: Haas und Waske lagen gegen das israelische Weltklassedoppel bereits mit 0:2-Sätzen hinten, kämpften sich zurück – und gewannen nach mehr als drei Stunden. „Einfach grandios“, sagte Thomas Haas, der zum ersten Mal seit 18 Monaten wieder auf deutschem Boden gespielt hatte. Die Niederlage gegen Weißrussland im vergangenen Jahr hatte er lediglich als Zuschauer erlebt.

Selbst eine Niederlage wäre erträglich gewesen, umso schöner, dass es ein Sieg wurde. „Die beiden haben nie aufgegeben“, sagte Patrik Kühnen. Erstaunlicherweise war es der Daviscup-Debütant Waske, der dem deutschen Doppel anfangs ein bisschen Stabilität verlieh. Haas war in den ersten beiden Sätzen der einzige der vier Spieler, der es nicht schaffte, seinen Aufschlag durchzubringen – und das gleich dreimal. Waske hingegen genoss es, zum ersten Mal im Daviscup zu spielen, „mit Nationalhymne und allem“. Aber für den 29-Jährigen war es schon ein gutes Gefühl gewesen, dass er eine Woche lang mit drei Weltklassespielern hatte trainieren dürfen: „Ich treffe den Ball besser denn je.“

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