Sport : Der Unkontrollierbare

Markus Babbel verlässt Hertha. Eine Würdigung.

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Sein Ding. Markus Babbel feierte mit Hertha den direkten Wiederaufstieg und den Gewinn der Zweitliga-Radkappe. Foto: dapd
Sein Ding. Markus Babbel feierte mit Hertha den direkten Wiederaufstieg und den Gewinn der Zweitliga-Radkappe. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Kann man jemandem vorwerfen, zu ehrlich zu sein? Gemeint ist nicht das von Hertha und Markus Babbel aufgeführte Schmierenstück, wann der Trainer mitgeteilt hat, dass er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern will. Egal welche Version stimmt, einer Seite hat Babbel nicht die Wahrheit gesagt, dem Verein oder der Öffentlichkeit, oder er durfte sie nicht sagen. Auch die Gründe für seine Entscheidung, nicht zu bleiben, nennt er nicht; es sind wohl keine sportlichen.

Das Ende für Babbel in Berlin, das mit seiner Freistellung noch vor dem Jahresausklang im Pokal am Mittwoch gegen Kaiserslautern kam, passt so gar nicht zu dem Bild, das er in den anderthalb Jahren seines Wirkens abgegeben hatte. Da kam im Mai 2010 dieser an der Sprache unverkennbare Münchner nach Berlin, stellte sich vor die Mitglieder und sagte: „Mein Name ist Markus Babbel“. Er brachte den Fans so kurz nach dem Abstieg das Lachen zurück. Und mit einer emotionalen Ansprache das Selbstwertgefühl.

Zu Trainingsbeginn geißelte er gleich öffentlich die Fitness seiner Mannschaft, gab sich mutig, kritisch, ehrgeizig. Er bekannte sich zur Pflichtaufgabe Aufstieg, um später immer wieder zu betonen, wie schwer das doch alles war und dass die Leute demütiger sein sollten. Er war widersprüchlich, weil er sich keine Kommunikationsstrategien zurechtlegte.

So war, so ist Markus Babbel, die Gedanken brabbelten manchmal einfach so aus ihm heraus; undurchdacht, aber meist ungefiltert und authentisch. Ein bisschen war es bei ihm wie bei Franz Beckenbauer – Babbel wurde zu allem gefragt und gab zu allem Antwort, auch wenn er keine hatte. Und wenn er schweigen musste, gab er sich bisweilen ungeschickter als beim Reden. Diplomatie lag ihm nicht.

Nach dem Aufstieg ließ er sich ein Hertha-Tattoo stechen, egal wie das bei einem Profi-Trainer wirken mochte. Gleichzeitig tätowierte er sich die Logos anderer Vereine auf den Arm, sang Loblieder auf München und Liverpool und warf den Berlinern schon mal vor, eine große Klappe zu haben. Das kam nicht gut an. Genauso wie die am Ende fehlenden Bekenntnisse zu Hertha und dass er Berlin hauptsächlich vom Hotelfenster aus kannte und an freien Tagen meist in München war, bei seiner Familie, als ob das ein Verbrechen wäre. Babbel scherte sich wenig um die Außenwirkung. Er hatte seinen Bruder durch einen Suizid verloren, war lange an einen Rollstuhl gefesselt – das Leben war für ihn zu kurz, um sich zu verbiegen.

Und bei all dem war Babbel sportlich erfolgreich. 20 Punkte nach der Hinrunde sind für einen Aufsteiger eine ordentliche Bilanz, die direkte Erstliga- Rückkehr hätte nicht jeder geschafft.

Doch vielleicht passten sie einfach nicht zusammen, die Hertha und der Babbel-Markus. Hier ein Verein, der nach den lauten Hoeneß-Jahren die Kommunikation verknappen und kontrollieren wollte. Dort der Trainer, der gern kommunizierte. Unkontrolliert, aber meist ehrlich.

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