Sport : Der Unschlagbare

Ole Einar Björndalen führt die Konkurrenz auch bei der Biathlon-WM vor

Helen Ruwald

Antholz - Ole Einar Björndalen stieß die Faust in den blauen Himmel über Antholz. Die Ziellinie war noch weit entfernt, doch der Norweger wusste, dass ihm Gold sicher war. Er zählt nicht zu den schussstärksten Biathleten, doch nun hatte er 18 von 20 Scheiben im Verfolgungswettkampf über 12,5 Kilometer getroffen. 1:12 Minuten Vorsprung vor Vincent Defrasne hatte er nach dem letzten Schießen. Auf der Zielgeraden ruderte Björndalen voller Freude wild mit dem rechten Arm und genoss die letzten Meter. Spannend wurde es nur weit hinter ihm. Das Zielfoto entschied, dass der Russe Maxim Tschudow einen Tick vor dem Franzosen Defrasne lag.

Eigentlich war der Oberhofer Sven Fischer der Zweitschnellste, als einziger Starter schoss er fehlerfrei. Doch weil er nach Platz 43 im Sprint mit fast zweieinhalb Minuten Rückstand in den Verfolgungswettkampf gegangen war, belegte er Rang 17 nach einem erstklassigen Rennen. Nach dem Sprint-Debakel der Deutschen am Vortag und erneut ein paar Schießfehlern zuviel war Michael Rösch als Zehnter Bester seines Teams. Bundestrainer Frank Ullrich lehnte am Sonntag jeden Kommentar zum Fehlstart seiner Schützlinge ab.

Björndalen war umso gesprächiger: „Heute freue ich mich noch mehr als gestern. Es ist alles optimal gelaufen“, sagte er nach dem zweiten WM-Titel innerhalb von 24 Stunden, seinem neunten insgesamt. Der Sprint-Zweite Michal Slesingr zog beim zweiten Schießen zwar an Björndalen vorbei, doch läuferisch konnte er mit dem Norweger nicht mithalten. Vor einem Jahr war Björndalen beim Weltcup in Antholz fast genauso schnell gelaufen – hatte damals aber keine Strafrunde gedreht. Gestern waren es zwei. Insgesamt 300 Meter mehr, trotzdem war er nur fünf Sekunden langsamer. „Ich laufe schneller, habe besser trainiert und bin technisch besser“, erklärte Björndalen. Ist er überhaupt zu schlagen? „Vielleicht in zwei, drei Jahren“, sagte Maxim Tschudow lachend, der als Zweiter 70 Sekunden hinter dem Norweger lag.

Diese Woche könnte sich in Björndalens Wahlheimat Südtirol WM-Geschichte wiederholen: Bei der letzten WM, 2005 in Hochfilzen, gewann er viermal Gold. Im Jahr davor und danach sah es freilich anders aus: In Oberhof 2004 musste er sich Raphael Poiree und Ricco Groß beugen, bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 sammelten die Deutschen Michael Greis und Sven Fischer die Goldmedaillen, Björndalen blieb nur Silber und Bronze – für einen wie ihn ein Misserfolg. Doch nun gehen die Björndalen-Festspiele weiter und die norwegischen Fans stimmen verzückt ihr „O-le, O-le“ an, was je nach Betonung Schlachtruf oder Anfeuerung ihres Superstars ist. Oder beides zusammen.

Die WM-Rennen in Antholz werden auch als Weltcuprennen gewertet, schon am Sonnabend hat Björndalen Michael Greis die Führung in der Gesamtwertung entrissen. Und das, obwohl er bis zur WM nur 9 von 14 Rennen bestritten hatte – dabei aber siebenmal siegte. Lediglich in Oberhof bekam er nach einem Höhentrainingslager Probleme und landete auf Rang 30. In der Höhe bereitete sich Björndalen auf zwei Weltmeisterschaften vor: die im auf 1600 Meter gelegenen Antholz und die in der Nordischen Kombination in Sapporo, die in zwei Wochen beginnt. Hier will er im Langlauf eine Medaille gewinnen. Biathlon alleine füllt ihn nicht aus, er sucht nach neuen Herausforderungen.

Sein erstes Saisonziel hat Ole Einar Björndalen schon am 18. November 2006 erreicht. In Gällivare (Schweden) erreichte er als Erster 23 Sekunden vor seinem Landsmann Tore Hofstad das Ziel und eine halbe Minute vor dem drittplatzierten Deutschen Franz Göring. Es war ein Langlauf-Weltcup. Und die Konkurrenz war chancenlos.

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