Sport : Der unsichtbare Konkurrent Barrichello fährt in

Schumachers Schatten

Karin Sturm

Hockenheim - Er ist von den aktuellen Formel-1-Fahrern nach Michael Schumacher der Pilot mit den meisten Grand-Prix-Einsätzen (188). Er ist seit 1993 in der Formel 1, hat sieben Rennen gewonnen, das erste genau vor vier Jahren beim Grand Prix von Deutschland auf dem Hockenheimring. Eigentlich ist das ein ideales Timing. Denn am Sonntag wird wieder in Hockenheim gefahren, beim Großen Preis von Deutschland (Sonntag, 14 Uhr, live bei RTL und Premiere). Es gibt also Gründe, Rubens Barrichello zu beachten. Zudem hat er in dieser Saison als einziger Fahrer bisher in allen elf Rennen gepunktet. Und trotzdem: Wirklich Notiz nimmt eigentlich keiner von dem 32-jährigen Brasilianer – genau gesagt: seit 2000 nicht.

Seit diesem Zeitpunkt fährt er im Schatten von Michael Schumacher, der Übergröße der Formel 1. Er ist der treue Husar, der Handlanger. Einer, der jedes Jahr aufs Neue verkündet, Schumacher sei besiegbar – um dann doch wieder brav hinterherzufahren. Der Brasilianer tut so, als würde ihm das nichts ausmachen. Aber natürlich redet er sich teilweise die Dinge auch schön. Barrichello behauptet zum Beispiel, er sei der erste Teamkollege von Schumacher, der versucht habe, den Deutschen zu überholen. „Darauf kann ich stolz sein.“ In Wahrheit hatte sich früher schon Martin Brundle vor Schumacher gesetzt. Auch Schumachers erster Ferrari-Kollege Eddie Irvine erlaubte sich, wenn auch selten, ein Überholmanöver.

Wer in Schumachers Team fährt, muss zurückstecken können. Einmal in diesem Jahr hatte Barrichello die Chance, Schumacher zu besiegen, in Indianapolis. Da überholte ihn Schumacher beim Neustart nach der Safety-Car-Phase. Das sah nach einem inszenierten Manöver aus. „Kein Außenstehender weiß, was sich bei Ferrari intern abspielt“, sagt Barrichello fast trotzig. Bekannt ist freilich, dass er sich gewaltig darüber ärgert, dass er in Brasilien seinen Spitznamen „Badeschlappen“ – Synonoym für einen, der es nie wirklich packt – nicht mehr los wird. „Niemand weiß, wie wichtig meine Arbeit für Ferrari ist. Ich trage einen großen Teil zu unserem Gesamterfolg bei“, verkündet er. Nur wird das auch in Zukunft keiner richtig registrieren.

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