Sport : Der Unstürzbare wankt

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Friedhard Teuffel über den korrupten IOCVizepräsidenten Kim

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) muss man sich wie einen eigenen Staat vorstellen. Es hat eine eigene Hymne, einen Umsatz, der viel höher ist als das Bruttoinlandsprodukt von Malta zum Beispiel und diplomatischen Einfluss, von dem Malta nur träumen kann. Die Mitglieder dieses Staates haben ganz besondere Rechte. Denn wer in einem demokratischen Staat wegen eines Vergehens längst vom Regierungschef entlassen worden wäre, der erhält vom IOC gerade mal einen „strengsten Verweis“. Und wer der Korruption verdächtigt wird und in einem totalitären Staat Geheimagent war, der taugt noch als Vizepräsident des IOC.

So wie der 72 Jahre alte Un-Yong Kim. In der südkoreanischen Militärdiktatur war er ein führender Mann des Geheimdienstes. Als IOC-Mitglied ließ er sich offenbar bestechen. Trotzdem wirkt er munter weiter und bewarb sich vor zwei Jahren sogar um die IOC-Präsidentschaft. Jetzt könnte selbst er zu Fall kommen. Er muss jedenfalls dem Staatsanwalt erklären, ob er Leute ins Nationale Olympische Komitee Südkoreas gegen Bezahlung aufgenommen und Geld des Taekwondo-Weltverbandes in die eigene Tasche gesteckt hat. Es ist auch schon Unglaubliches geschehen: Kim, der Ämtersammler, legte zwei Ämter nieder. Er ist kein Parlamentsabgeordneter mehr und auch nicht mehr Präsident des Taekwondo-Weltverbandes. Bevor er sich selbst verabschiedet, hat das IOC nun die Chance, ihn rauszuwerfen und seinen Einfluss zu beenden. Es war Kim, der Taekwondo zum Status der olympischen Sportart verhalf, und es war Kim, der großen Anteil an der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 1988 nach Seoul hatte. Kim galt als Günstling des damaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch. Beide wussten, wie man in einer Diktatur Karriere macht. Samaranch war Behördenchef im Franco-Regime. Als vor zwei Jahren Jacques Rogge zum Präsidenten gewählt wurde, versprach er bessere Zeiten für das IOC. So lange Kim jedoch IOC-Mitglied ist, so lange dauert noch die Ära von Juan Antonio Samaranch.

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