Sport : Der Unterschied heißt Karabatic

Dank des Rückraumstars steht der THW Kiel vor dem Champions-League-Sieg – und wieder vor dem Triple

Erik Eggers

Berlin - Am kommenden Sonntag ab 18 Uhr (live bei Eurosport) kann sich der THW Kiel in der heimischen Arena selbst ein Denkmal setzen. Im vergangenen Jahr holten die Handballer das Titel-Triple aus Meisterschaft, DHB- Pokal und Champions League, nun stehen sie erneut unmittelbar davor. Mit dem 29:27 (14:13)-Sieg im Finalhinspiel beim Spanischen Meister BM Ciudad Real schufen sich das Bundesliga-Spitzenteam eine hervorragende Ausgangslage für die Titelverteidigung in der Champions League. Und auch die Verteidigung des Meistertitels scheint nach dem vergangenen Wochenende nur noch eine Frage der Zeit zu sein: Am Samstag hatten sich Kieler die 28:32-Niederlage der SG Flensburg-Handewitt noch im Fernsehen angesehen. Danach fehlt ihnen zur 14. deutsche Meisterschaft, da nun zwei Punkte aus den letzten beiden Spielen in Göppingen und gegen Wetzlar reichen, nur noch ein Erfolg. „Das wird spätestens im letzten Heimspiel gegen Wetzlar klar gemacht“, gab sogar THW-Manager Uwe Schwenker jedwede Zurückhaltung auf. Den Pokal hatte der THW ja bereits im April geholt.

In Bezug auf die Champions League warnen die Verantwortlichen aber noch. „Ein super Ergebnis, aber auch sehr gefährlich“, sagt Schwenker. Und auch THW-Coach Zvonimir Serdarusic hält nichts von vorzeitigem Jubel. „Richtige Freude kommt deshalb auch nicht auf, weil ich weiß, wie stark Ciudad spielen kann“, erklärte der 57-Jährige. „Wenn es nächsten Sonntag umgekehrt läuft, Ciudad einen guten und wir einen schlechten Tag haben, dann sieht alles anders aus.“

Aber seine Spieler strotzten nach dem Gala-Auftritt in der Quichote-Arena nur so vor Selbstvertrauen. „Wir wissen, was zu tun ist“, sagte Weltmeister Dominik Klein, „und ich bin sicher, auch unsere Zuschauer werden beweisen wollen, dass es in unserer Halle noch lauter zugeht als in Spanien.“ Die Kieler Sparkassen-Arena ist seit Wochen mit 10 250 Zuschauern ausverkauft. Für die letzten 300 Karten hatten die Fans teilweise 20 Stunden angestanden.

Der Optimismus der Kieler Profis ist berechtigt. Schließlich hatten sich die Schleswig-Holsteiner dem Gegner auch taktisch weit überlegen gezeigt. Der hochgerühmte Rückraum der mit einem Etat von etwa 12 Millionen Euro teuersten Mannschaft der Welt zerschellte in der Schlussviertelstunde förmlich an der kompakten 6:0-Defensive der Kieler, das Kreisläuferspiel brach völlig zusammen, und wenn dann doch ein paar Würfe auf das Tor kamen, stand da THW-Keeper Thierry Omeyer. Noch in Halbzeit eins hatte der Franzose kaum einen Ball an die Hände bekommen, doch nach der Pause nahm ihn THW-Coach Serdarusic sich zur Brust: „Er hat gesagt, dass ich nicht mehr zusehen soll, sondern endlich zeigen soll, dass ich lebe“, erzählte Omeyer später von dem Donnerwetter. Omeyer wachte auf – und entpuppte sich am Ende als Matchwinner. Über allen aber thronte erneut Rückraumstar Nikola Karabatic, der mit neun Toren beste Schütze. Was der 24- jährige Halblinke in kritischen Lagen zeigte, war wieder einmal atemberaubend. Die Leidenschaft, mit der Karabatic zu Werke geht, macht den vielleicht entscheidenden Unterschied aus.

„Das war eine beeindruckende Mannschaftsleistung. Wir haben 60 Minuten hervorragend gespielt“, schwärmte Uwe Schwenker. Die spanische Sportzeitung „Marca“ sah es ähnlich. „Normalerweise dauert ein Finale mit Hin- und Rückspiel 120 Minuten. Diesmal dauerte es wohl nur 60 Minuten“,, schrieb das Blatt und sieht den Champions-League-Gewinner von 2006 im Rückspiel ohne Chance.

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