Sport : Der Unterschied wird kleiner Gerolsteiner verringert den Abstand zu T-Mobile

Mathias Klappenbach

Berlin - Thomas Ziegler geht zu T-Mobile. Der Radrennstall vermeldete vor zwei Tagen, dass der 24-jährige Sprinter ab der kommenden Saison nicht mehr für das Team Gerolsteiner fährt. Man könnte denken, es sei ein normaler Vorgang, wenn ein talentierter Fahrer vom zweitgrößten deutschen Radrennstall zum größten wechselt. Doch der Unterschied zwischen Gerolsteiner und T-Mobile ist in den vergangenen Jahren kleiner geworden, obwohl Gerolsteiner mit geschätzten 7,5 Millionen Euro vielleicht gerade die Hälfte des Etats von T-Mobile hat. 1998 wurde der Rennstall gegründet, ein Jahr später übernahm Hans-Michael Holczer die Leitung. Er brachte seine vorherige Mannschaft aus Öschelbronn mit, seine Frau Renate managte das Team. Das macht sie noch heute, aber auf dem schrittweisen Weg in die Weltspitze sind der Rennstall und die Anzahl der Verantwortlichen gewachsen, ihrem Mann stehen in der Teamleitung inzwischen erfahrene Radprofis wie Udo Bölts oder Christian Henn zur Seite.

„Bei uns geht es aber immer noch sehr familiär zu“, sagt Hans Michael Holczer. Als im Frühjahr sein Fahrer Danilo Hondo positiv auf Doping getestet wurde, war es ein großer persönlicher Schock für ihn. Der Sprinter Hondo war aus der zweiten Reihe von T-Mobile zu Gerolsteiner gewechselt, weil er hinter Erik Zabel nicht so zum Zuge kam, wie er wollte.

Jahr für Jahr hat Holczer bessere Fahrer verpflichtet. Der Italiener Davide Rebellin gewann im vergangenen Jahr sensationell die drei Ardennenklassiker, damit hatte sich das Team endgültig in der Weltspitze etabliert. Jetzt ist Gerolsteiner zum dritten Mal bei der Tour dabei und hat mit Georg Totschnig erstmals einen Etappensieger im Team. Der neu verpflichtete US-Amerikaner Levi Leipheimer konnte zwar nicht ganz vorne angreifen, wird aber heute in Paris die Tour auf dem sehr guten fünften Platz in der Gesamtwertung beenden.

Nach wie vor werden die Erfolge des zweiten deutschen Teams nicht so wahrgenommen, weil alles auf Jan Ullrich und damit auf T-Mobile schaut. Doch mit Totschnigs Tageserfolg ist Gerolsteiner ein weiterer Schritt zu mehr öffentlicher Wahrnehmung gelungen, zudem verheißen junge deutsche Fahrer wie der 25-jährige Fabian Wegmann und Markus Fothen in der Zukunft weiteren Erfolg. Sie bekommen während des ganzen Jahres wie auch die anderen Fahrer ihre Chancen, die Führungsrolle zu übernehmen. Der 23 Jahre alte Fothen wurde beim Giro d’Italia in diesem Jahr Zwölfter, und, fast noch wichtiger, er verlängerte seinen Vertrag bis 2008. „Er ist unser Klassementfahrer für die Zukunft“, sagt Holczer.

Die Taktik, punktuell ausländische Spitzenfahrer zu verpflichten und gleichzeitig deutschen Talenten genügend Raum für die Entwicklung zu geben, soll auch in der Zukunft fortgesetzt werden. In der Zeit nach Jan Ullrich werden diese sicher auch mehr Aufmerksamkeit bekommen.

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