Sport : Der Unverstandene

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Joachim Löw hat angekündigt, in Zukunft Titel mit der Nationalmannschaft holen zu wollen. So wie einst Berti Vogts, der als Bundestrainer den bislang letzten für Deutschland bei der Europameisterschaft 1996 gewann – in dem Jahr wurde er auch zum Weltnationaltrainer gewählt. Aber auch das änderte grundsätzlich nichts. „Wenn ich über’s Wasser laufe, sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann er“, lautet sein wohl bekanntestes Zitat.

Er hätte einen Imageberater in seinem Funktionsteam gebraucht, das er Anfang des Jahrtausends bei Bayer Leverkusen einführte. Stattdessen wurde er für seine Neuerung, die heute professioneller Standard ist, verlacht. Er stieß auch auf Unverständnis mit seinen Äußerungen von „ballorientierter Raumdeckung“, bevor sie zum Allgemeingut wurde.

So bleibt die verlorene Seele der Medienwirklichkeit eher mit einem Kurzauftritt im „Tatort“ oder wegen Stefan Raabs „Böörti Böörti Vogts“ in Erinnerung. Das ist ungerecht, denn Vogts stellte einst beispielsweise den Kontakt zu Jürgen Klinsmann her oder fragte Silvia Neid, ob sie beim Frauenteam arbeiten wolle. Jetzt leistet er als Aufbauhelfer bei den sich wegen ihres Rohstoff-Reichtums auch als Fußball-Weltmeister fühlenden Aserbaidschanern unmögliche Arbeit. Auch vorher, in Kuwait, Nigeria und Schottland wollte Vogts nachhaltig etwas aufbauen, durfte aber nicht lange genug bleiben. Er hat jetzt gesagt, in Aserbaidschan weitermachen zu wollen, gleichzeitig soll aber die Türkei an dem in Fachkreisen geschätzten Vogts interessiert sein. Die Türken haben gegen Vogts’ Aserbaidschan verloren.

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