Sport : „Der Verein ist nicht gespalten“

Mitgliederchef Scheel über den Eklat beim HSV

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Mitgliederchef Scheel über den Eklat beim HSV Herr Scheel, nach der turbulenten Mitgliederversammlung am Montag tauchten im HSV-Fanforum Verschwörungsgerüchte auf. Da wird dem Supporters Club, der Dachorganisation der HSV-Mitglieder, die Sie leiten, ein Putschversuch gegen den Vorstand unterstellt. Sind Sie ein Putschist?

Garantiert nicht. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass gerade bei richtungsweisenden Mitgliederversammlungen in den letzten Jahren nicht revolutionär geputscht wurde. Da wurde von Seiten der Mitglieder sachlich und fair im Sinne des Vereins diskutiert.

Der erstmalige Ausschluss der Presse und die anschließenden Freudensbekundungen ganz zum Ärger des Vorstands waren also keine geplante Machtdemonstration?

Keineswegs. Der Supporters Club ist seit 13 Jahren in den Verein integriert, und es war zu keinem Zeitpunkt so, dass wir unsere Mitgliedermehrheit missbraucht hätten, wie es uns jetzt vorgeworfen wird. Aus meiner Sicht kam das eher spontan durch zwei Faktoren zustande. Erstens der unglückliche Start mit einer Stunde Verspätung wegen organisatorischer Mängel – unter anderem waren ausgerechnet nicht genug „Nein“-Abstimmungskarten da. Zweitens richtete sich der Beschluss vor allem gegen ein bestimmtes Organ, das in letzter Zeit ordentlich auf den HSV draufgehauen hat. Aber das hätte man vorher absprechen müssen, um nicht auch die Vertreter der seriösen Presse mit abzustrafen.

In seiner Stellungnahme zu den Vorkommnissen hat der Supporters Club sich aber weder eindeutig von den Pöbeleien distanziert noch seine deutliche Unterstützung mit dem Vorstand unterstrichen. Ist der HSV gespalten?

Der HSV ist garantiert kein gespaltener Verein. Dass es in der jetzigen Situation unterschiedliche Meinungen über die sportliche Ausrichtung gibt, liegt auf der Hand. Da müssen unsere Verantwortlichen und insbesondere der Vorstand die Entscheidung treffen. Das sehe ich aber nicht als Spaltung. Der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann hat ja noch am Abend alle darauf eingeschworen, am selben Strang zu ziehen. Mein Empfinden ist, dass das bei allen Meinungsverschiedenheiten auch allen klar ist.

Und die Pöbeleien?

Der Verlauf der Versammlung war sehr emotional, was in der jetzigen Situation aber auch legitim ist. Ich bin seit 20 Jahren Mitglied beim HSV, und das war wahrscheinlich die emotional intensivste Veranstaltung. In dieser Zeit habe ich auch noch nie erlebt, dass 1600 Teilnehmer kamen. Und viele von denen waren wohl nur da, um ihrem Frust Luft zu machen. Tumulte oder wirkliche Beleidigungen habe ich nicht registriert. Was ich aber nicht mittrage, sind die Schmähungen und Kundgebungen der siegenden Mehrheit nach der Abstimmung. Das gehört nicht in einen Versammlungssaal.

Haben die Mitglieder ihrem Verein dadurch Schaden zugefügt?

Die Berichterstattung nach der Mitgliederversammlung war sicher nicht hilfreich. Sie wäre wahrscheinlich ohne den Ausschluss anders ausgefallen. Aber das Rad lässt sich nicht zurückdrehen.

Hätte man es verhindern können?

Das war gar nicht mehr möglich, es ging alles viel zu schnell. Ich hätte dem Versammlungsleiter auch nicht einfach so in die Parade fahren können.

Werden Sie den Mitgliedern bei der Fortsetzung der abgebrochenen Versammlung in der Woche vor dem Bundesliga-Rückrundenstart im Januar noch ein paar warme Worte mit auf den Weg geben?

Ich wage mal die Prognose, dass da etwas kommen wird. Ich würde mir eine gemeinsame Erklärung von verschiedenen Gremien wie Aufsichtsrat, Vorstand und uns wünschen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir so etwas nicht noch einmal erleben werden. Wir werden in Gesprächen mit Mitgliedern sicherstellen, dass sie sich in Zukunft so artikulieren, wie es sich gehört.

– Das Gespräch führte Christian Hönicke.

Oliver Scheel, 41,

ist Leiter der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters Club

beim Fußball-

Bundesligisten

Hamburger SV.

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