Sport : Der Verein reklamiert Rechtsunsicherheiten beim Verfahren des DFB

Karsten Doneck

Die Werbetafel ist so groß wie die Platte eines monströsen Schreibtisches. Sie hängt am Gemäuer des Mommsenstadions, Block F - dort also, wo die Gästefans durchgeschleust werden. Es erfordert detektivischen Spürsinn, den Schriftzug desjenigen zu entziffern, der da wirbt. Unbekannte haben nämlich den Firmennamen "Göttinger Gruppe" mit schwarzer Farbe überpinselt. Und dann noch ihren Kommentar hingekritzelt. Der lautet, ebenso schlicht wie grob: "Fuck off!"

Tennis Borussia und die Göttinger Gruppe - dieses Verhältnis ist einer starken Belastungsprobe ausgesetzt, seit der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Charlottenburgern die Lizenz für den Profifußball entzogen hat. "Wenn ich das Geschmiere da sehe, dann haben die Leute offenbar vergessen, dass es ohne die Göttinger Gruppe den Verein gar nicht mehr geben würde", ruft TeBe-Aufsichtsratmitglied Heinz Pietzsch die Fans zur Mäßigung gegenüber dem Geldgeber auf. Auch das schlechte Image, das dem Finanz- und Versicherungsunternehmen wie ein Klotz am Bein hängt, mag Pietzsch so nicht stehen lassen. "Alle Prozesse", sagt er, "die gegen sie geführt wurden, hat die Göttinger Gruppe gewonnen - mit einer Ausnahme: Sie darf Abzocker-Gruppe genannt werden, aber das fällt in diesem Land nun mal unter die Meinungsfreiheit."

Am 14. Juni zieht Tennis Borussia, das "Subunternehmen" der Göttinger Gruppe, vor das Landgericht Frankfurt (Main). Und hofft dabei inständig, dass die Kette der Prozess-Erfolge des Sponsors nicht reißt. TeBe strebt gegen den Lizenzentzug des DFB wegen "fehlender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit" eine einstweilige Verfügung an, mit der erst einmal der Ausschluss aus der Zweiten Liga aufgehoben werden soll.

Anschließend sollen dann Grundsatzfragen geklärt werden. Zum Beispiel: Tennis Borussia hat sich - erstmals - als Kapitalgesellschaft um die Lizenz beim DFB beworben. Paragraph 8, Ziffer 9, des Lizenzspielerstatuts verlangt, dass "Tochtergesellschaften zum Nachweis ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit über ein gezeichnetes Mindestkapital von fünf Millionen Mark verfügen" müssen. Nach Angaben des TeBe-Vorstandsvorsitzenden Erwin Zacharias, zugleich Chef der Göttinger Gruppe, kann TeBe "aktuell auf ein wirtschaftliches Eigenkapital von gut 20 Millionen Mark" zurückgreifen. Aus diesem Grunde zeigen sich die Borussen wenig einsichtig, der unlängst eingegangenen Forderung des DFB nach Hinterlegung zusätzlicher Bankbürgschaften in Höhe von 20 Millionen Mark nachzukommen. TeBe vertritt die Ansicht, die im Etatentwurf für die Saison 2000/2001 veranschlagte Unterdeckung in zweistelliger Millionenhöhe sei durch die eigene Kapitalausstattung hinreichend abgesichert. TeBe spricht in diesem Zusammenhang von einer Ungleichbehandlung gegenüber anderen, fast vermögenslosen Vereinen.

Richtig veralbert kommt sich TeBe vor, "wenn der DFB", so Zacharias, "nun sogar für die Rückrunde der vergangenen Saison eine Bankbürgschaft verlangt". Spieler und sonstige Angestellte könnten nämlich bestätigen, dass ihnen gegenüber alle finanziellen Zusagen eingehalten worden sind, "auf Heller und Pfennig", wie Heinz Pietzsch betont. "Und nach meinem Verständnis setzt der Wunsch nach einer Bürgschaft immer auch eine Verbindlichkeit voraus", stellt Zacharias fest.

Nicht ganz einleuchtend klingen auch die Mahnungen des DFB, TeBe müsse die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) auflösen, um überhaupt ein Startrecht für die Regionalliga zu erhalten. Bei den Borussen firmierten in der vergangenen Saison nicht nur die Zweitliga-, sondern obendrein auch die 1. Amateur- und die 1. A-Jugendmannschaft unter dem Dach der KGaA. Und die Amateure spielten halt in der Regionalliga - ganz und gar unbeanstandet.

Es scheint so, als gebe es beim DFB in der Tat noch eine gewisse Rechtsunsicherheit bei der Lizenzierung eines in eine Kapitalgesellschaft umgewandelten Fußballklubs. In diesem Tatbestand sehen die Tennis Borussen ihre Chance. "Unabhängige Richter werden erkennen, dass der DFB unseren Lizenzierungantrag rechtsfehlerhaft behandelt hat", meint Zacharias voller Optimismus.

Ein ordentliches Gericht soll nun Klärung bringen. Als der Verhandlungstermin am Landgericht Frankfurt (Main) für kommenden Mittwoch feststand, soll sich bei TeBe übrigens der DFB-Justitiar gemeldet haben mit dem Wunsch, den Termin doch eine Woche weiter nach hinten zu verschieben. Er, der Justitiar, wolle sich nämlich zum anberaumten Termin lieber ein Spiel bei der Europameisterschaft anschauen. "So viel zur Sorgfaltspflicht des DFB gegenüber seinen Vereinen ... ", grantelt Zacharias.

Die Zeit indes drängt. Schließlich muss der Spielplan erstellt werden. Und TeBe will wissen, woran man ist. Regionalliga - oder doch Zweite Liga - das ist hier die Frage. Und die Wahrheit liegt diesmal ausnahmsweise nicht auf dem Platz, sondern beim Frankfurter Landgericht.Mehr zu Tennis Borussia unter www.meinberlin.de/tebe

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