Sport : Der verflixte letzte Stopp Was Nick Heidfeld in Melbourne Unschönes erlebte

Karin Sturm

Alle standen bereit: die Männer mit den neuen Reifen, der Mann mit dem Tankschlauch, sie alle warteten gespannt. Es muss ja schnell gehen beim Boxenstopp in einem Formel-1-Rennen. Nick Heidfeld kam wie geplant in seinem Jordan angefahren, es war sein letzter Stopp. Alles wie immer, alles wie zigfach geprobt. Nur dass die Mechaniker plötzlich zur Seite springen sollten, das stand nicht auf dem Testprogramm. Denn Heidfeld fuhr nicht auf die markierte Stelle, hielt nicht millimetergenau, sondern brach nach rechts aus. Einen halben Meter ungefähr, aber das reichte. Chefmechaniker Giorgio Pantanos und Tankwart Mick Gomme stürzten zu Boden, gerammt von dem Formel-1-Boliden.

Heidfeld, der Mann aus Mönchengladbach, hatte einen Kupplungsschaden, der erste Gang steckte fest, deshalb brachte er das Auto nicht zum Stehen. „Das ist mir noch nie passiert. Ich war sehr besorgt.“ Zu Recht. Aber er hatte auch Glück. Pantanos und Gomme erlitten nur Prellungen, mehr ist nicht passiert. „Zum Glück ist den beiden kaum was geschehen. Das ist das Allerwichtigste“, sagte Heidfeld.

Der Jordan-Pilot rollte noch mal aus der Boxengasse, aber er kam nur ein paar Meter weit. Dann blieb sein Auto stehen. Technischer Defekt, keine Chance. „Es hatte keinen Zweck, da ging nichts mehr.“ Ende einer Dienstreise. Unrühmliches Ende einer Premiere. Heidfeld hatte sein erstes Rennen für Jordan bestritten. Sauber wollte ihn nicht mehr, Heidfeld war froh, dass er wenigstens bei Jordan untergekommen ist. „Ich glaube, wir haben eine gute Basis, auf der wir aufbauen können, um unser Leistungsniveau zu verbessern“, sagte er trotz der Panne.

Im Rennen hatte Nick Heidfeld im Mittelfeld durchaus mithalten können. Er lieferte sich vor allem einen langen, sehenswerten Kampf mit dem neuen Sauber-Piloten Giancarlo Fisichella, quasi seinem Nachfolger, der große Mühe hatte, sich vor Heidfeld zu halten. Fisichella freilich beklagte sich bitter, Heidfeld habe mit unsauberen Mitteln gearbeitet. Ach, Blödsinn, sagte sogar Sauber-Cheftechniker Willy Rampf: „Nick hat nur genau das gemacht, was wir ihm in seinen drei Jahren bei Sauber beigebracht haben, nämlich, sich nicht überholen zu lassen.“ Wie man ein Auto mit kaputter Kupplung in der Boxengasse gut beherrscht, das haben sie bei Sauber aber wohl nicht geübt.

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