Sport : Der verhasste Liebling

Ibrahimovic entscheidet das Mailänder Derby

Tom Mustroph
Genugtuung. Zlatan Ibrahimovic erzielte für den AC Mailand das Siegtor gegen seinen ehemaligen Verein Inter. Foto: AFP
Genugtuung. Zlatan Ibrahimovic erzielte für den AC Mailand das Siegtor gegen seinen ehemaligen Verein Inter. Foto: AFPFoto: AFP

Mailand - Zornig funkelten die Augen von Zlatan Ibrahimovic, als die von Inter-Fans besetzte Nordtribüne des Meazza-Stadions ihren einstigen Liebling mit gellenden Pfiffen begrüßte. Der Schwede, der vor zwei Jahren noch Inter Mailand zu Derbysieg und Meisterschaft geführt hatte, traf nun im Trikot des verhassten Stadtrivalen AC Mailand zum ersten Mal in der Serie A auf seine alten Kollegen.

Die Pfiffe und Schmähungen der Inter-Fans konnten Ibrahimovic nichts anhaben, er war der Mann des Abends im Mailänder Stadtderby und führte den AC durch ein Elfmetertor zum 1:0-Sieg gegen Inter. Am Mittwoch wird er mit Schweden im Freundschaftsspiel auf die mit einigen Neulingen besetzte deutsche Nationalmannschaft treffen.

Im Mailänder Derby ließ sich Ibrahimovic auch nicht von Inters Geheimwaffe Marco Materazzi aufhalten. Dessen Trainer Raffael Benitez hatte den Verteidiger trotz minimaler Spielpraxis gegen Ibrahimovic aufgeboten, „Wir brauchten einen physisch starken Mann in der Innenverteidigung“, erklärte Benitez. Diese Entscheidung stellte sich als Fehler heraus. Materazzi holte Ibrahimovic gleich beim ersten Duell plump von den Beinen. Dieser versenkte den Elfmeter und kühlte so die erhitzen Gemüter auf der Nordtribüne ab.

Der 29-Jährige war in der Folge an allen Offensivaktionen des AC Mailand beteiligt und half auch in der Defensive aus. Als Inter in der zweiten Halbzeit mehr Druck ausübte, stellte Ibrahimovic seine kämpferischen Qualitäten unter Beweis. Dabei ging er mitunter zu weit. Bei einem Duell mit Materazzi sprang der geübte Taekwondo-Kämpfer mit ausgestrecktem Bein und ausgefahrenen Ellenbogen auf seinen Rivalen zu. Materazzi blieb bewusstlos am Boden liegen und musste mit der Trage vom Spielfeld geschafft werden. Spielentscheidend war diese brutale Szene aber nicht. Zu kraft- und ideenlos präsentierte sich Titelverteidiger Inter Mailand an diesem Abend. Angesichts von nun sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer AC Mailand wird in italienischen Medien bereits über die Ablösung von Trainer Benitez spekuliert.

Ibrahimovic betrachtete mit Genuss die Schwierigkeiten seines einstigen Arbeitgebers. „Ich hatte bei Inter keine Motivation mehr. Deshalb bin ich aus Italien weggegangen. Hier bei Milan habe ich eine gute Umgebung gefunden“, sagte er. Den schwarzen Tag für Inter komplettierte ein zweiter Abtrünniger. Manchester Citys Mario Balotelli, in der Premier League gesperrt, war ebenfalls im Stadion. Er jubelte provokativ nach Milans Sieg und verließ dass Stadion mit „Ibra, Ibra“-Rufen. Tom Mustroph

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