Sport : Der verhasste Liebling

Ibrahimovic entscheidet das Mailänder Derby

Tom Mustroph
Genugtuung. Zlatan Ibrahimovic erzielte für den AC Mailand das Siegtor gegen seinen ehemaligen Verein Inter. Foto: AFP
Genugtuung. Zlatan Ibrahimovic erzielte für den AC Mailand das Siegtor gegen seinen ehemaligen Verein Inter. Foto: AFPFoto: AFP

Mailand – Zornig funkelten die Augen von Zlatan Ibrahimovic, als die von Inter-Fans besetzte Nordtribüne des Guiseppe-Meazza-Stadions ihren einstigen Liebling mit gellenden Pfiffen begrüßte. Der Schwede, der vor zwei Jahren noch Inter Mailand zu Derbysieg und Meisterschaft geführt hatte, traf nun im Trikot des verhassten Stadtrivalen AC Mailand zum ersten Mal in der Serie A auf seine alten Kollegen.

Die Pfiffe und Schmähungen der Inter-Fans konnten Ibrahimovic nichts anhaben, er war der Mann des Abends im Mailänder Stadtderby und führte den AC durch ein Elfmetertor zum 1:0-Sieg gegen Inter. Marco Materazzi, als Sonderbewacher aufgeboten, hatte Ibrahimovic beim ersten Duell gleich plump von den Beinen geholt. Ibrahimovic versenkte den Elfmeter und kühlte so die erhitzen Gemüter auf der Nordtribüne ab. Nach dem Spiel sprach der Schwede davon, vollkommen erschöpft zu sein. Daher wird er im Nationalteam am Mittwoch im Freundschaftsspiel gegen Deutschland eine Pause erhalten. „Er ist mit den Kräften am Ende und braucht Ruhe“, sagte Nationaltrainer Erik Hamrén am Montag.

Kein Wunder, denn gegen Inter war der 29-Jährige an allen Offensivaktionen des AC Mailand beteiligt und half auch in der Defensive aus. Als Inter in der zweiten Halbzeit mehr Druck ausübte, stellte Ibrahimovic seine kämpferischen Qualitäten unter Beweis. Dabei ging er mitunter zu weit. So sprang der geübte Taekwondo-Kämpfer mit ausgestrecktem Bein und Ellenbogen auf Materazzi zu, der bewusstlos am Boden liegen blieb und mit der Trage vom Spielfeld geschafft wurde. Spielentscheidend war diese brutale Szene aber nicht. Zu kraft- und ideenlos präsentierte sich Titelverteidiger Inter. Angesichts von sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer Milan spekulieren italienische Medien bereits über die Ablösung von Trainer Benitez.

Zlatan Ibrahimovic betrachtete mit einem gewissen Genuss die Schwierigkeiten seines einstigen Arbeitgebers. „Ich hatte bei Inter keine Motivation mehr. Hier bei Milan habe ich eine gute Umgebung gefunden“, sagte er. Den schwarzen Tag für Inter komplettierte ein zweiter Abtrünniger. Mario Balotelli, im Sommer von Inter nach England zu Manchester City gewechselt, war ebenfalls im Stadion. Er jubelte provokativ nach Milans Sieg und verließ das Stadion mit „Ibra, Ibra“-Rufen. Tom Mustroph

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