Sport : Der verhinderte Spieler

Sebastian Deisler ist fit – aber Bayerns Trainer Felix Magath stellt ihn nicht auf

Moritz Küpper[München]

Der grüne Rasen stach heraus. Umrahmt von Schnee konnte der Tabellenführer aus München dank Rasenheizung unbeeinflusst üben. Als Zé Roberto eine Flanke von Bixente Lizarazu per Fallrückzieher ins Tor beförderte, klatschten alle Beifall. „Wenn man von der Stimmung beim Training ausgeht, müsste man meinen, wir hätten in Bielefeld 3:1 gewonnen“, findet Trainer Felix Magath.

Es herrscht gute Laune beim Rekordmeister, trotz der ersten Niederlage im Jahr 2005 und dem größten internen Konkurrenzkampf seit vielen Jahren. Das prominenteste Opfer der Personalsituation ist Sebastian Deisler. Auf dem Trainingsplatz fiel er jedoch genauso wenig auf, wie als Gesprächsthema vor dem Spiel gegen Dortmund. Magath berichtete von Santa Cruz’ Rückkehr aus Paraguay, referierte über Ballacks Ausfall wegen Krankheit und ein paar Worte für den BVB. Als sich jemand nach Deisler erkundigte, antwortete Magath wortkarg: „Er ist fit und gehört zum Kader.“ Die Szene zeigt, dass das Verhältnis Magath/Deisler nicht das beste sein kann. „Es wäre schön, wenn Scholl und Deisler in der Lage wären, ihre Fähigkeiten umzusetzen“, hatte Magath vor der Rückrunde gesagt, „aber ich weiß nicht, ob es gelingt.“ Mittlerweile scheint sich der Trainer bei Mehmet Scholl sicher zu sein. Der 34-Jährige erlebt eine ungeahnte Renaissance. Anders sieht es für den neun Jahre jüngeren Deisler aus: Fünfmal stand er in der Bundesliga in der Anfangsformation, zweimal in der Champions League. Zuletzt wurde Deisler nach 75 Minuten eingewechselt. Zwar lobte Magath ihn, was aber noch fehle, sei „mehr Spielpraxis, doch die kann ich ihm nicht geben“. Eine aussichtslose Situation für Deisler. Magath bleibt hart, er könne ja nicht eine Niederlage riskieren und sagen: „Okay, Bayern hat verloren, aber dafür habe ich Deisler Spielpraxis verschafft!“ Es ist kein Geheimnis, dass Magath von Deislers frühem Nationalmannschafts-Comeback im Oktober nicht begeistert war – und wohl nachtragend ist.

Nach dem Rückrundenauftakt gegen den HSV begann der ansonsten schweigsame Deisler deshalb zu reden: „Ich habe keine Lust, hier auf der Bank zu sitzen und dann noch nicht einmal eingewechselt zu werden“, sagte er. Geholfen haben ihm diese Worte nicht.

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