Sport : Der verschenkte Sieg

Gilberto und Marcelinho schießen Hertha 2:0 in Führung, doch am Ende heißt es gegen Bochum 2:2

-

Berlin Erst zusammen treffen, dann zusammen scheitern. So haben es gestern die beiden brasilianischen Fußballspieler Gilberto und Marcelinho gehalten. Mit ihren Toren brachten sie Hertha BSC gegen den VfL Bochum 2:0 in Führung. Das schien schon die Geschichte des Spiels zu sein: brasilianischer Sommerfußball zum Auftakt der Saison. Doch in der zweiten Halbzeit vergaben Gilberto und Marcelinho unmittelbar nacheinander jeweils eine Großchance. Die Bochumer verstanden dies als Motivation zum Aufholen und kamen am Ende noch zum 2:2-Ausgleich.

Statt mit einer Festa do Brasil haben die Berliner die Saison also mit einem verschenkten Sieg begonnen. Die ersten siebzig Minuten spielten sie größtenteils erfrischenden Fußball, aber als Eindruck bleiben ebenso zwanzig Schlussminuten mit schweren Berliner Beinen haften. So war Trainer Falko Götz nach dem Spiel auch hin- und hergerissen zwischen der Zufriedenheit über die gute Leistung und der Enttäuschung über den verpassten Sieg: „Wir haben schon in der ersten Halbzeit gut gespielt. Aber am Ende steht man da und guckt sich dumm an.“

Siebzig Minuten Überlegenheit im Olympiastadion vor 45 000 Zuschauern waren für Hertha nur einen Punkt wert. Der Auftakt dieses Spiels war offenbar zu schön gewesen. In seinem ersten Spiel für Hertha BSC traf der Brasilianer Gilberto gleich. Sein Landsmann Marcelinho hatte ihm den Ball in der sechsten Minute vorgelegt, aus zehn Metern erzielte Gilberto das 1:0. Die Berliner spielten fortan sicher nach vorne. Sie vermittelten auch den Eindruck einer harmonischen Gemeinschaft. Ganz gleich, ob sie gerade einen Eckball herausgeholt hatten oder einen Freistoß oder eine Torchance des Gegners vereitelt hatten – sie klatschten sich untereinander ab.

Kein Gemeinschaftswerk, sondern eine hübsche Einzelleistung war das 2:0. Marcelinho hatte sich den Ball an der Mittellinie geschnappt, ihn am Fuß mit sich geführt und dann aus 18 Metern ins Tor geschossen. So waren die Berliner zur Pause sogar Tabellenführer.

In der Halbzeit hatte Trainer Götz eine klare Botschaft an seine Spieler: „Wir dürfen nicht zu faul sein.“ Faulheit konnte man Hertha wirklich nicht vorwerfen, trotz der träge machenden Hitze. Die Berliner hätten das Spiel sogar in der 59. Minute entscheiden können, als zunächst Gilberto unbedrängt an Torwart Rein van Duijnhoven scheiterte und Marcelinho im Nachschuss den Ball an den Pfosten setzte. Wahrscheinlich hatte Manager Dieter Hoeneß diese Szene vor Augen, als er hinterher sagte: „Das Spiel hätte 4:0 ausgehen müssen.“

Doch die Bochumer kamen zunächst durch ein Kopfballtor von Raymond Kalla in der 65. Minute zum 1:2. Dann ereignete sich eine umstrittene Szene im Berliner Strafraum. Im Zweikampf mit Vratislav Lokvenc ging Verteidiger Arne Friedrich zu Boden und berührte den Ball mit der Hand. Schiedsrichter Markus Merk entschied auf Strafstoß, den Peter Madsen in der 70. Minute verwandelte.

„Für mich war das kein Elfmeter. Ich bin zu Boden gedrückt worden“, sagte Friedrich. Das war noch eine sachliche Beschreibung. Stürmer Fredi Bobic wurde sarkastischer: „Wir wissen doch alle, das Markus Merk unantastbar ist, weil er das EM-Finale gepfiffen hat.“

Ein Sieg hätte den Spuk der vergangenen Runde schon fast vergessen machen können. So aber bleibt etwas Unbehagen zurück, trotz der guten Vorstellung. Torwart Christian Fiedler hatte dafür einen angenehmen Unterschied ausgemacht: „Letztes Jahr haben wir die Saison mit einem 0:3 begonnen. Es ist schon ein bisschen besser geworden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben