Sport : Der verspielte Sieg

Trotz einer 2:0-Führung startet Hertha BSC mit einem 2:2 in Hannover in die neue Saison

Ingo Schmidt-Tychsen[Hannover]

Gerhard Tremmel konnte den Anpfiff in die neue Bundesligasaison kaum erwarten. Der Ersatztorwart von Hertha BSC machte sich lange vor allen anderen Fußballprofis vor den 40000 Zuschauern in der Hannoveraner AWD-Arena warm. Nach der Verletzung von Christian Fiedler in der Vorbereitung ist Tremmel derzeit die Nummer eins im Tor der Berliner. Am Ende seines ersten Bundesligaarbeitstages für die Berliner stand er reichlich enttäuscht da. Hertha verspielte in Hannover eine 2:0-Führung und startet mit einem 2:2 (0:0)-Unentschieden in die Bundesliga.

Ein bisschen begann die neue Saison, wie die alte aufgehört hatte. Hertha BSC kam am letzten Spieltag der vergangenen Saison in Berlin nicht über ein 0:0 gegen Hannover hinaus. Der Mannschaft von Falko Götz kostete das damals die Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League. Wie schon im Mai fand Falko Götz’ Mannschaft eine Halbzeit lang kein Mittel, die bieder spielenden Niedersachsen zu überwinden. Wie schon im Mai in Berlin spielte die Mannschaft von Trainer Ewald Lienen sehr destruktiv. Für die Offensive tat Hannover 96 nicht viel, der neu zusammengekaufte Sturm mit Brdaric und Hashemian blieb weitgehend harmlos.

Gerhard Tremmel verlebte gestern eine relativ entspannte erste Halbzeit. Wenn der Gegner einmal in den Strafraum der Berliner drang, räumte die gute Abwehr die Bälle ab. In der ersten Halbzeit dominierte Hertha das Spiel, ohne aber Druck auf das Tor der Hannoveraner entwickeln zu können. Oliver Schröder, der den verletzten Yildiray Bastürk vertrat, konnte den dribbelstarken Türken nicht ersetzen. Der einzige gefährliche Torschuss der Berliner im ersten Abschnitt ging wieder einmal auf das Konto von Marcelinho. Seinen Freistoß faustete Hannovers Torwart Enke zur Ecke. Der Spielmacher, der in der vergangenen Saison 18 Tore selbst geschossen und weitere 14 vorbereitet hatte, ist allerdings noch nicht in der Form der Vorsaison. Trotzdem nahmen ihn die Hannoveraner zeitweise in doppelte Manndeckung.

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit waren die Niedersachsen gegen den Brasilianer machtlos. Marcelinho verwandelte einen Elfmeter zur 1:0-Führung. Zuvor hatte es heftige Diskussionen auf dem Spielfeld gegeben. Nach einem Traumpass von Niko Kovac auf Kapitän Arne Friedrich, wurde dieser von Hannovers Stajner am Trikot gezupft. Friedrich kam zwar im Strafraum zu Fall, die Aktion aber war klar außerhalb des Strafraums. Die Proteste der Niedersachsen bei Schiedsrichter Knut Kircher brachten erwartungsgemäß nichts ein.

Noch ehe die Gastgeber den Rückstand verdaut hatten, konnten die Berliner auf 2:0 erhöhen. Das zweite Tor war ein Produkt der beiden Stürmer. Nando Rafael hatte gleich zwei Gegenspieler auf sich gezogen und dann rechtzeitig auf Artur Wichniarek gepasst, der sofort mit links schoss und dabei Torwart Enke tunnelte. Der polnische Stürmer jubelte ausgelassen. In den vergangenen beiden Jahren konnte Wichniarek nie so richtig überzeugen.

Das Spiel schien entschieden. Doch Hannover steckte nicht auf. Nach einer Flanke von Brdaric köpfte Dabrowski nach einer guten Stunde zum 1:2 ein. Plötzlich gab Hertha das Spiel aus der Hand, weil zahlreiche Konterchancen nicht genutzt wurden. Der Zehnte der Vorsaison aber riskierte jetzt alles. Tremmel rückte immer mehr in den Mittelpunkt. Er hielt, was zu halten war, aber gegen den Freistoßhammer von Tarnat vier Minuten vor dem Abpfiff war der Torwart machtlos. Tarnats Schuss schlug genau im Dreiangel ein. Für die Berliner war es ein Déjà-vu-Erlebnis. In die vergangene Saison war Hertha BSC in Bochum mit einem 2:2 gestartet – nach einer 2:0-Führung.

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