Sport : Der verspielte Sieg

Trotz einer 2:0-Führung bei Hannover 96 startet Hertha BSC nur mit einem 2:2-Unentschieden in die neue Bundesligasaison

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Die Berliner gingen schnell in Führung, und als der Gegner aufholte, machten sie mit ein paar schnellen Gegenangriffen alles klar und siegten verdient. So verlief das Spiel zwischen Hannover 96 und Hertha BSC zumindest an dem Kickertisch, an dem sich gestern jeweils zwei Fans der beiden Mannschaften im Vorprogramm des Bundesligaspiels im Innenraum der AWDArena versuchten. Die Profis hätten den 4:2 Sieg der beiden Berliner Fans später auf dem großen Feld nachstellen können, aber weil Hertha die Konterchancen teilweise kläglich vergab, wurde aus einer 2:0-Führung am Ende noch ein 2:2 (0:0).

„Wir haben zu früh aufgehört, konzentriert nach vorne zu spielen“, sagte Herthas Trainer Falko Götz. Nach einer von beiden Teams schwach geführten ersten Halbzeit, in der die 40 473 Zuschauer kaum Torszenen zu sehen bekamen, war Hertha nach der Pause innerhalb von fünf Minuten mit 2:0 in Führung gegangen. Zunächst hatte Marcelinho einen Foulelfmeter verwandelt. Der Hannoveraner Jiri Stajner hatte Arne Friedrich zwar deutlich außerhalb des Strafraums festgehalten, Schiedsrichter Knut Kircher entschied trotzdem auf Strafstoß. Schon in der ersten Halbzeit war es nur gefährlich vor dem Tor der Gastgeber geworden, wenn Friedrich bei seinen Vorstößen den 35-jährigen Ex-Nationalspieler Michael Tarnat überlief.

In der 54. Minute erzielte dann Artur Wichniarek nach Vorarbeit seines Sturmpartners Nando Rafael mit einem Flachschuss durch die Beine von Hannovers Torwart Robert Enke das 2:0. „Wir haben nach vorne tolles Material. Ich habe immer gesagt, dass wir nicht noch unbedingt einen neuen Stürmer brauchen“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß. Ein neuer Angreifer wird dennoch weiter gesucht, Wichniarek und Rafael konnten sich nur phasenweise in Szene setzen.

Hertha spielte ohne den einzigen Neuzugang Ellery Cairo, der noch Trainingsrückstand hat, und auch ohne Malik Fathi, der laut Trainer Götz wegen seiner Teilnahme an der Militär-WM in der Sommerpause derzeit „in einem tiefen Loch steckt“. Für ihn verteidigte Josip Simunic auf der linken Seite, Alexander Madlung kam neu in die Innenverteidigung. Herthas Abwehr stand fast das gesamte Spiel über sehr sicher, Christian Fiedlers Vertreter Gerhard Tremmel musste im Tor zunächst nur wenige gefährliche Bälle abwehren.

Doch nach der Führung bekam Hertha das Spiel nicht unter Kontrolle. „Wir haben uns blöd angestellt“, sagte Dick van Burik. Nach einem Fehler von Niko Kovac, der den Ball bei einer Konterchance im Mittelfeld vertändelte, köpfte Christoph Dabrowski nach gut einer Stunde den Anschlusstreffer. „Wir hatten dann immer noch das Spiel genauso vor uns, wie es uns liegt“, sagte Falko Götz. Doch Marcelinho, der den Ball knapp am Tor vorbeilupfte, und Nando Rafael, der den Abschluss nicht konsequent genug suchte, vergaben auch die besten der vielen Berliner Konterchancen.

Falko Götz versank im Regen von Hannover immer tiefer in einem der Fernsehsessel, die ein Sponsor für die Trainer am Spielfeldrand bereitgestellt hatte, das Programm auf dem Platz wurde spannender. „In den letzten 20 Minuten haben wir keinen Fußball mehr gespielt“, sagte van Burik. Hannover erhöhte den Druck, ohne sich klare Tormöglichkeiten zu erspielen. Doch drei Minuten vor dem Abpfiff foulte der eingewechselte Andreas Neuendorf 19 Meter vor dem eigenen Tor Chawdar Yankow. Und nun kam der große Auftritt von Michael Tarnat. Beim Warmmachen vor dem Spiel war er als letzter auf den Rasen gekommen, beim Einlaufen vor dem Anpfiff ebenso, Arne Friedrich konnte er auch nicht immer folgen. Jetzt hatte der Routinier viel Zeit, sich den Ball zurechtzulegen. Und dann tat Tarnat das, wofür er schon seine ganze Karriere lang bekannt ist: Er drosch den Ball mit unglaublicher Wucht in den Winkel des Tores der Berliner. „Das war ein schönes Tor“, sagte Gerhard Tremmel, der ohne jede Abwehrchance war.

So endete das erste Saisonspiel der Berliner genau so wie jenes vor einem Jahr gegen den VfL Bochum, als Hertha eine 2:0-Führung ebenfalls nur zu einem 2:2 reichte. Danach folgten vier weitere Unentschieden und eine Niederlage.

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