Sport : Der VfL ist mit dem 2:3 gegen Atletico noch gut bedient

Claas Hennig

Die Lehrstunde für den VfL Wolfsburg war kostenlos, die Erkenntnis umso bitterer. "Das war ein Klassenunterschied", stellte Kapitän Claus Thomsen nach dem 2:3 gegen Atletico Madrid fest. "Wir haben spielerisch überhaupt nicht mithalten können", erkannte auch Mittelfeldspieler Patrick Weiser. Selten war dem Europapokal-Debütanten der Unterschied zwischen Bundesliga-Mittelmaß und internationaler Spitze so vor Augen geführt worden wie im Hinspiel der dritten Uefa-Pokal-Runde - und dies von einem Gegner, dessen Glanzzeiten längst vergangen sind.

An ein Wunder im Rückspiel am 9. Dezember im Estadio Calderon glaubt in Wolfsburg niemand. VfL-Manager Peter Pander bemühte von Berufs wegen die üblichen Phrasen wie "Im Fußball ist alles möglich" und bezifferte die Chancen auf ein Weiterkommen auf "50:50", doch letztlich musste auch er eingestehen: "Was Madrid fußballerisch gezeigt hat, war das Beste, was ich seit langem in Wolfsburg gesehen habe. Wenn ich höre, dass die Bundesliga die stärkste Liga der Welt ist, bekomme ich doch einige Zweifel."

Das war sicherlich übertrieben. Denn das Team von Atletico musste in seinem 100. Europapokal-Spiel nicht an seine Grenzen gehen, um den Wolfsburgern die Grenzen aufzuzeigen. "Wir haben gut gespielt gegen einen starken Gegner", meinte Madrids italienischer Trainer Claudio Ranieri höflich - wohlwissend, dass nur der erste Teil seines Statements richtig war. Deutlicher wurde die spanische Presse. "Die Spanier erteilten den Wolfsburgern eine europäische Lektion", schrieb "AS". "El Mundo" meinte: "Atletico kann dem Rückspiel beruhigt entgegen sehen. Es war dem VfL Wolfsburg in jeder Hinsicht überlegen."

Etliche VfL-Spieler wie Christian Wück, Markus Feldhoff, Patrick Weiser oder Frank Greiner waren gegen die Madrider schlicht überfordert. Wenn die Spanier konsequenter gewesen wären, hätten die Wolfsburger mit 1:5 oder 1:6 verlieren können. So blieb es nur bei den zwei Treffern von Carlos Aguilera (6., 58.) und des Niederländers Jimmy Hasselbaink (37.). Die VfL-Tore von Andrzej Juskowiak (21.) und Charles Akonnor (83.) per Foulelfmeter werden nach dem 9. Dezember voraussichtlich nur statistischen Wert haben.

"Wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen", meinte Trainer Wolfgang Wolf. "Wir sind mit dem Ball gelaufen, die Spanier haben den Ball laufen lassen. Das war der Unterschied." Doch sehe er dies auch positiv, "denn die Mannschaft und das Umfeld haben erkannt, was uns noch fehlt. Das ist ein Lernprozess, den jetzt jeder durchmachen muss". Die Dreifach-Belastung durch Bundesliga, Europacup und deutschen Pokal wollte Manager Pander nicht als Entschuldigung gelten lassen: "Wenn man schlecht spielt, spielt man schlecht."

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