Sport : Der vierte Anlauf

Dreimal scheiterte Nordhorn im Halbfinale des Handball-Pokals, jetzt sieht der Star Glandorf die Chance

Hartmut Moheit

Berlin - Was haben in Nordhorn die Musikschule, der Treckerveteranenclub und Handballer Holger Glandorf gemeinsam? Die Antwort darauf wird durch eine Urkunde gegeben, die traditionell in der Grafschaft Bentheim an „Bürger des Jahres“ verliehen wird. Gab es in der Vergangenheit seitens der Jury schon viele kontroverse Diskussionen über die Bewertung der Kandidaten für diese Ehrung, so fiel diesmal für 2007 die Entscheidung in rekordverdächtiger Kürze. Schließlich wurde Glandorf mit der Nationalmannschaft nicht nur Weltmeister, er bekannte sich trotz sehr vieler lukrativer Angebote europäischer Top-Klubs bis 2010 zur HSG Nordhorn. „Ich fühle mich in diesem Team einfach wohl, aber auch das ruhige Umfeld sagt mir zu“, sagt der Linkshänder, der am morgigen Sonntag 26 Jahre alt wird. Außerdem sei die Mannschaft sehr erfolgreich. „Ich möchte vor allem Handball spielen und nicht in einem Star-Team auf der Wechselbank sitzen.“ Die in dem Vertrag enthaltene Ausstiegsklausel für 2009 sei ein Sicherheitsfaktor.

Dass die vom Schweden Ola Lindgren trainierte HSG Nordhorn noch dreifach im großen Handballgeschäft vertreten ist – im Halbfinale des EHF-Cups, als derzeit Vierter und damit auf Champions-League-Kurs in der Handball-Bundesliga sowie ab heute in Hamburg beim Final Four des Pokals – , daran hat Glandorf entscheidenden Anteil. Der Verein bekommt von ihm damit etwas zurück, was er vor Jahren in den gebürtigen Osnabrücker investiert hatte. „Da haben private Leute den damals 16-jährigen Glandorf jedes Mal chauffiert“, erzählt Bernd Rigterink. „Wir sind hier in Nordhorn eben eine große Handballfamilie, das ist wohl auch der Kern unseres Erfolges“, sagt der HSG-Manager, der ebenfalls schon als „Bürger des Jahres“ geehrt wurde. Bei einem Etat, der sich um einiges unter der Drei-Millionen- Marke bewegt und damit den Kauf teurer Stars ausschließt, sind große Siege anders auch kaum möglich. Ein Pool von über 100 kleineren Sponsoren stehe dahinter. Nur eines fehlt nach Aussage von Rigterink noch zum absoluten Glück: „Die Krönung wäre ein Titel.“

Holger Glandorf findet, dass die Möglichkeiten, zumindest ein Endspiel in dieser Saison zu erreichen, im EHF-Cup gegen CAI Aragon recht gut sind. „Wir spielen ja zunächst in Spanien“, erklärt er. Bereits am heutigen Samstag „stehen die Chancen im Final-Four-Halbfinale in Hamburg ebenfalls gut, obwohl der HSV dann ein Heimspiel hat“. Das Final Four sei nun mal etwas völlig anderes als ein normales Bundesligaspiel, auch im Handball gäbe es die dem Pokal eigenen Gesetze. Es gibt nur ein Spiel, das zählt. Manager Rigterink nennt die Zahl von 1750 Fans aus Nordhorn, die „unsere Mannschaft nach vorn treiben werden“. Es dauerte keine zwei Tage, da waren die Tickets in Nordhorn vergriffen. Im vierten Anlauf soll für die Rot-Weißen aus dem südlichen Niedersachsen endlich mehr herausspringen als nur ein Platz im Halbfinale. „An guten Tagen“, sagt Glandorf, „können wir jede Mannschaft besiegen.“ Einen solchen Tag hatte sein Team in der 3. Pokalrunde beim Erfolg über die SG Flensburg-Handewitt erwischt. „Vielleicht sind wir in diesem Jahr wirklich mal dran“, sagt Glandorf – ein wenig in Gedanken versunken. Schließlich sei die HSG zweimal nur knapp gescheitert, einmal im Siebenmeterwerfen gegen Magdeburg und 2005 gegen den späteren Pokalsieger Flensburg.

Ein wenig kann die HSG Nordhorn auf den Verschleiß der anderen Mannschaften setzen. Einzig Nordhorn wird wohl in Bestbesetzung antreten können. Dagegen befinden sich beim THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen, die in der ersten Halbfinalpartie spielen – ebenso wie beim HSV – die medizinischen Abteilungen im Dauereinsatz. Auch Holger Glandorf war zuletzt angeschlagen, aber beim Final Four wollte er auf keinen Fall fehlen. Als „Bürger des Jahres“ verspürt er nun eben auch eine besondere Verpflichtung.

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