Sport : Der vierte Anlauf

Alba Berlins Basketballer wollen den Meistertitel endlich zurück nach Berlin holen

Helen Ruwald

Berlin - Das Ausrufezeichen lässt keine Zweifel zu, Selbstzweifel sowieso nicht. „Jetzt wir!“, steht in riesigen blauen Buchstaben auf der Homepage von Alba Berlin. Dazu ballt Henrik Rödl, der Trainer des Basketball-Bundesligisten, die Faust, der angespannte Gesichtsausdruck von Nationalspieler Demond Greene verrät höchsten Kampfeswillen. Morgen beginnen für Alba Berlin mit dem ersten von maximal fünf Viertelfinalspielen gegen die Artland Dragons Quakenbrück (17 Uhr, Max-SchmelingHalle) die Play-offs, und Henrik Rödl sagt: „Wir sind bereit.“ Bereit für den Kampf um den Meistertitel, den die Berliner 2003 zuletzt gewonnen hatten. Im vierten Anlauf soll es endlich klappen. „Wir haben uns dem Titel verschrieben. Wenn es nicht hinhaut, werden wir Prügel kriegen, klar“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi. Nur der Titelgewinn bringt Alba sicher zurück in die Europaliga, was seit Jahren das erklärte Ziel ist.

Auch 2006 hatte es unbedingt klappen sollen, doch dann stoppte Rhein Energie Köln die Berliner. Im dritten Finalspiel verspielte Alba in eigener Halle einen 24-Punkte-Vorsprung und verlor durch einen Kölner Dreipunktewurf mit der Schlusssirene. Rhein Energie setzte sich in vier Spielen durch. Alba blieben der Pokalsieg und das Bewusstsein, durchaus eine gute Saison gespielt zu haben. Zu wenig für Berliner Ansprüche.

Im Sommer wurde der Kader stark verändert. William Avery, Johannes Herber, Julius Jenkins, Chris Owens, Koko Archibong, Ruben Boumtje Boumtje, Nicolai Simon und später Kirk Penney stießen zum Team und sicherten Alba drei Spieltage vor Ende der Hauptrunde Platz eins, der Heimrecht in allen entscheidenden Spielen garantiert. „Wir können uns nur selber schlagen“, sagt Demond Greene.

Tatsächlich hat seine Mannschaft manchen Widrigkeiten getrotzt: Antreiber Greene fiel mit gebrochenem Fuß fünf Monate aus. Jovo Stanojevic, eine langjährige Identifikationsfigur, kehrte Alba von einem Tag auf den anderen den Rücken, weil er nach einem Kreuzbandriss nicht so viel Spielzeit bekam wie erhofft. Spielmacher William Avery muss sich seit Wochen mit einer Patellasehnenverletzung durchbeißen, Nenad Canak und Kirk Penney sollen nach Leistenoperationen im Verlauf der Play-offs wieder zum Einsatz kommen. Vor allem von Avery wird es entscheidend mit abhängen, ob Alba nach Ziel Nummer eins, dem Einzug ins Uleb-Cup-Achtelfinale, auch das dritte und größte Ziel erreicht. Ziel Nummer zwei hat das Team bereits verpasst: den Pokalsieg. Im Viertelfinale scheiterte Alba an Köln. Nicht nur in diesem Spiel zeigte sich, dass der Tabellenführer keineswegs unschlagbar ist. Im Spitzenspiel in Ludwigsburg erlebte Alba beim 62:84 ein Debakel, und mit einer Leistung wie zuletzt gegen Trier (87:82) wäre das Team ein Kandidat für ein frühes Play-off-Aus. Allerdings war das Spiel für die Berliner bedeutungslos – ob sie fähig sind, Körper und Geist nach mehrwöchigem Schonprogramm problemlos auf Play-off-Mode umzustellen, werden die nächsten Auftritte zeigen.

Davon könnte auch die Zukunft von Trainer Henrik Rödl abhängen. Seit Januar 2005 ist er Cheftrainer und hat seither mit Alba einen Titelgewinn gefeiert: den Pokalsieg 2006. Bei den Spielern wird es auf keinen Fall ein radikales Aussortieren geben. Julius Jenkins verlängerte seinen Vertrag Mitte der Woche bis 2009, auch Koko Archibong, Johannes Herber, Nicolai Simon, Philip Zwiener und, so er es will, Chris Owens bleiben in Berlin.

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