Sport : Der vierte Mann kommt

Erste Liga ab der Rückrunde mit einem Schiedsrichter mehr

Michael Rosentritt

Gelsenkirchen. In einem Spiel der Ersten Fußball-Bundesliga wird es weiterhin einen Ball geben und zwei Tore. Neu ist allerdings: In der Rückrunde gibt es vier Schiedsrichter. Das beschloss – in Folge der seit Tagen anhaltenden Schiedsrichter-Diskussion – am Mittwoch ein runder Tisch des deutschen Fußballs. Dieser bestand aus Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sowie aus Bundesliga-Managern, Trainern und Schiedsrichtern. Die Neuerung, die in der „Galerie Architektur und Arbeit“ zu Gelsenkirchen vorgestellt wurde, ist allerdings zeitlich begrenzt. „Das ist ein Pilotprogramm, das auf die Rückrunde beschränkt ist und nur für die Erste Liga gilt“, sagte Werner Hackmann, der Chef der Fußball-Liga.

Zu Beginn der Bundesliga-Rückrunde am 25. Januar des kommenden Jahres wird das Schiedsrichter-Gespann in den Stadien verstärkt. Keinen Zweifel gibt es daran, dass sowohl das Präsidium des DFB als auch der Vorstand der DFL die Regeln in absehbarer Zeit entsprechend ändern werden.

Mit der Einführung des vierten Offiziellen nähert sich die Bundesliga dem internationalen Standard an. In den meistern europäischen Ligen sowie bei internationalen Wettbewerben gehört der vierte Mann längst dazu. Die Finanzierung dieses Pilotprojektes tragen die Bundesliga-Vereine. Reiner Calmund (Leverkusen), der neben Dieter Hoeneß (Hertha) und Rudi Assauer (Schalke) die Interessen der Vereinsmanager vertrat, sagte: „Wir rechnen mit einer Belastung von 17 000 Euro pro Verein.“ Sollte sich das Projekt als sinnvoll erweisen, könnte das allerdings Folgekosten nach sich ziehen. Die Kosten für eine übergreifende Einführung eines vierten Mannes in der Zweiten Bundesliga und im nationalen Pokal-Wettbewerb sollen sich für eine Spielzeit auf etwa 1,5 Millionen Euro belaufen. Eine solche Summe werden die Vereine sicherlich nicht mehr allein aufbringen wollen.

Der vierte Schiedsrichter wird im Wesentlichen nach internationalen Leitlinien handeln. Er wird nicht direkt ins Spielgeschehen eingreifen, sondern soll „beruhigend auf die Vertreter beider Spielparteien einwirken“, wie Schiedsrichter Herbert Fandel sagte. Vor allem soll der neue Mann den Linienrichter, der vor den Trainerbänken fungiert, entlasten. Das war erforderlich geworden, weil dieser Assistent des Schiedsrichters durchschnittlich die meisten Fehler macht. „Das ist statistisch erwiesen“, sagte Hoeneß. Anders als von Schiedsrichtern gefordert, beschloss der runde Tisch, den Strafenkatalog nicht zu verschärfen. „Emotionen haben mit Geld nichts zu tun“, sagte Hoeneß dazu.

Prinzipiell soll auf dem Spielfeld der gegenseitige Respekt zunehmen. Angesprochen auf das harte Durchgreifen mancher Schiedsrichter, über das sich vorwiegend Spieler beschwert hatten, sagte Dieter Hoeneß: „Mit zwei, drei Worten ist manchmal mehr zu erreichen als mit 15 Gelben Karten." DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hofft nun auf die Fortsetzung des Dialogs. Dabei sollen in Zukunft auch aktive Bundesliga-Spieler einbezogen werden.

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