Sport : Der Volksglaube

Friedhard Teuffel

Es soll das große Finale heute sein, aber die gefühlte Temperatur in der Bundesliga ist im Laufe von acht Tagen deutlich gefallen. Das eigentliche Endspiel dieser Saison war Dortmund gegen Schalke am vergangenen Samstag. Was jetzt noch kommt, scheint nur ein kleines feierliches Auslaufen zu sein. Was ist nur passiert in dieser Woche?

Der Spannungsabfall kann nur eines bedeuten: Dass der Volksglaube an Mythen im Fußball so lebendig ist wie lange nicht. Denn einer dieser Mythen lautet: Schalke wird nie mehr Meister. Und weil es wenige Orte gibt, an denen der Volksglaube an Fußball so stark ist wie in Gelsenkirchen, scheinen die Schalker in diesen Tagen selbst am wenigsten an die Meisterschaft zu glauben.

Wie aber passt dieser Volksglaube zu einem anderen Glaubensgrundsatz, nämlich dem, dass im Fußball alles möglich sei? Der Glaube an Wunder im Fußball ist offenbar längst nicht mehr so ausgeprägt. Vielleicht liegt auch das an der WM im vergangenen Jahr und an der langsamen Löwisierung des deutschen Fußballs. Denn nicht zuletzt der Bundestrainer hat dem Fußball eine rationale Komponente gegeben. Siege und Niederlagen scheinen auf einmal leicht erklärbar zu sein. Mit dem Verschieben von Mannschaftsteilen etwa oder mit Raumgewinnung.

Weil für ein Wunder Stärke notwendig ist, aber Schalke und der Saisonabschlussverbündete Cottbus am vergangenen Samstag Schwäche ausgestrahlt haben, ist auch die Spannung vorläufig verschwunden. Wenn Schalke trotzdem noch Meister wird, wäre selbst das Wort Wunder zu klein.

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