Sport : Der Wahlsieger verzichtet

Werner Gegenbauer holte die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 nach Berlin – jetzt zieht er sich überraschend zurück

Friedhard Teuffel

Berlin - Ein Kandidat führt mit großer Leidenschaft einen Wahlkampf, gewinnt souverän – und nimmt die Wahl dann doch nicht an. So ähnlich scheint es bei Werner Gegenbauer gelaufen zu sein, so stellt es sich für die Öffentlichkeit dar. Der Ehrenpräsident der Berliner Industrie- und Handelskammer hat viel Zeit, Kompetenz und Geld investiert, um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in seine Heimatstadt Berlin zu holen. Auch ein erster erfolgloser Versuch vor drei Jahren konnte ihn nicht davon abbringen. Im Dezember hat der Chef des Bewerbungskomitees sein Ziel erreicht: 2009 findet die Leichtathletik-WM im Olympiastadion statt. Nur wird Gegenbauer die Veranstaltung allenfalls mit Ratschlägen begleiten.

Warum er jetzt aufhört, fragen sich daher viele in der Leichtathletik. „Wir sind sehr überrascht von dieser Entwicklung, denn wir wissen, dass sich Herr Gegenbauer über lange Zeit sehr stark gemacht hat für die Bewerbung und für das Istaf“, sagt ein leitender Mitarbeiter des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF. „Es sind persönliche Gründe“, sagt Gegenbauer. Mehr möchte der 54-Jährige dazu nicht sagen, doch in der Leichtathletikszene ist längst von anderen Motiven die Rede. Es heißt, er habe nicht mehr mit Clemens Prokop zusammenarbeiten wollen, dem Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Prokop wird mangelnde Loyalität vorgeworfen und außerdem, dass sich der DLV nicht wie versprochen intensiver für das Berliner Leichtathletik-Meeting Istaf eingesetzt habe. Man könne sich auf das Wort Prokops nicht verlassen. Gegenbauer selbst äußert sich nicht zu Prokop, aber es gibt andere in der Leichtathletikszene, die es hinter vorgehaltener Hand tun.

Von dieser Kritik ist Prokop überrascht: „Ich habe regelmäßig mit Herrn Gegenbauer gesprochen. Mir gegenüber hat er davon nie etwas gesagt.“ Vor einigen Wochen habe er Gegenbauer den ehrenamtlichen Vorsitz im Organisationskomitee für die WM angeboten. Der Verband hatte vor einigen Tagen bekannt gegeben, dass Prokop und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit das Organisationskomitee (OK) als Doppelspitze leiten, wobei Prokop die Rolle des geschäftsführenden OK-Chefs ausfüllt.

Auch der IAAF hatte fest mit Gegenbauer gerechnet. Er war in der Bewerbungsphase der Ansprechpartner der Councilmitglieder gewesen und hatte ihr Vertrauen gewonnen. Gegenbauer ist schon die zweite kompetente Persönlichkeit, die keine Verantwortung mehr für die Leichtathletik-WM übernimmt. Vor einigen Monaten war Christoph Kopp als Präsident des Berliner Leichtathletik-Verbandes zurückgetreten und aus dem Bewerbungskomitee ausgeschieden.

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