Sport : Der wahre Sieger zeigt Größe

Armin Lehmann

Es sind die magischen Momente des Sieges, die eine Fußball-WM so emotional machen. Gewonnen hat der Fußball aber erst, wenn der Verlierer das Spiel mit einer fairen Geste adelt. Wer vom höchsten Punkt der Euphorie hinabfällt in die Leere, ist immer in Gefahr, die Gebote der Fairness zu verletzen. Emotional kann man das verstehen, weil Enttäuschung verdammt wehtut. Die Deutschen haben das bisher nicht oft erleben müssen, doch im Vergleich zur Anzahl dieser Erlebnisse haben sie sich überproportional oft als schlechte Verlierer erwiesen.

Lothar Matthäus sagte nach dem EM-Aus 1988 im Halbfinale gegen Holland: „Das Hamburger Publikum hat uns nicht richtig angefeuert.“ Berti Vogts meinte nach dem K.o. bei der WM 1998: „Wir müssen nach Hause fahren. Warum auch immer. Das haben andere Leute zu verantworten.“ Und auch Rudi Völlers „Käse“-Rede nach dem 0:0 im EM-Qualifikationsspiel in Island gebührt nicht gerade der Fairnesspreis. Die Deutschen haben sich lange Zeit selbst als „die Großen“ (Mayer-Vorfelder) tituliert, die aufpassen müssen, dass „die Kleinen“ (auch Mayer-Vorfelder) sich nicht gegen Deutschland zusammentun. Aber muss man ein Underdog sein wie Australien, um Größe zu zeigen? Entsetzlicher kann man nicht verlieren. Als der Schiedsrichter Elfmeter gegen Australien pfiff, war es so, als hätte man einen Stecker gezogen. Ball drin, Spiel aus, und wohin jetzt mit Wut und Ohnmacht? Kein Australier protestierte, niemand wurde ausfällig, dem Gegner wurde gratuliert. Nicht anders gaben sich die Schweizer nach dem Aus im Elfmeterschießen. Traurig, aber gefasst. So schön schmerzlich kann Sport sein.

Vielleicht fallen die Deutschen am Freitag vom Himmel in die Hölle. Dann bleibt zu wünschen, dass die Revolution, die Bundestrainer Klinsmann im deutschen Fußball ausgelöst hat, das faire Verlieren beinhaltet.

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