Sport : Der Wald ruft

Der 1. FC Union bejubelt ein schmuckloses 1:0 gegen den FSV Frankfurt.

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Auf Abstand gehalten. Die Unioner um Simon Terodde (l.) blieben ohne Gegentor. Foto: dapd
Auf Abstand gehalten. Die Unioner um Simon Terodde (l.) blieben ohne Gegentor. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Uwe Neuhaus wollte schon das obligatorische Fernsehinterview am Spielfeldrand abliefern, als die Fans seiner Mannschaft seinen Namen riefen. „Uwe, Uwe“, schallte es von der Waldseite, der 52-Jährige hörte aufs Wort und schloss sich der Jubelarie seiner auf- und abhüpfenden Spieler an. Beim 1. FC Union wird eben auch nach glanzlosen Spielen Party gemacht, wie nach dem 1:0 (1:0)-Arbeitssieg gegen den FSV Frankfurt am Sonntagnachmittag. Vielleicht war es auch die Erleichterung darüber, einen fast 75 Minuten lang in Unterzahl spielenden Kontrahenten bezwungen zu haben. „Wir haben uns gegen den mit zehn Mann spielenden Gegner schwergetan. Aber wir sind froh, dass wir endlich mal zu Null gespielt haben“, sagte Siegtorschütze Torsten Mattuschka nach seinem vierten Saisontreffer. „Aber wir müssen uns für unseren Sieg auch nicht entschuldigen.“

Union begann wie eine Mannschaft, die nach vier Partien ohne Niederlage ihre Positivserie unbedingt ausbauen wollte. „Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen. Wir haben druckvoll gespielt. Wir sind folgerichtig in Führung gegangen“, sagte Neuhaus. „Den Elfmeter zum 1:0 haben wir dankend angenommen.“

Bei der entscheidenden Situation spielte der Frankfurter Defensivmann Marc Heitmeier die Hauptrolle. Er verursachte in der 16. Minute durch ein Handspiel den Strafstoß, den Torsten Mattuschka zum 1:0 verwandelte. Da Heitmeier in der Anfangsphase bereits für ein Foul eine Verwarnung kassiert hatte, flog er zusätzlich auch noch mit Gelb-Rot vom Platz. „Ich habe mit ihm in der Halbzeit geredet. Es war ein Blackout. Er kann es nicht erklären“, sagte FSV-Trainer Benno Möhlmann, der mit der Leistung seiner Elf in Unterzahl durchaus zufrieden war. „So dumm darf man gar nicht hingehen. Das weiß Marc auch“, meinte allerdings der Frankfurter Kapitän Björn Schlicke. Heitmeier selbst war untröstlich. „Ich weiß nicht, warum ich das getan habe. Für die Mannschaft war es eine harte Kost, so lange in Unterzahl spielen zu müssen. Ich werde mir für die Jungs etwas einfallen lassen müssen“, sagte Heitmeier.

Vor 15 701 Zuschauern hätte Union im weiteren Verlauf das entscheidende 2:0 machen müssen. Doch Simon Terodde, Adam Nemec, Christian Stuff mit einem Fernschuss an die Querlatte sowie die eingewechselten Akteure Patrick Zoundi und Tijani Belaid scheiterten an ihren eigenen Nerven oder am starken Frankfurter Torwart Patrick Klandt. Die Berliner Zuschauer hatten ein feines Gefühl dafür, dass der dritte Heimsieg in Folge am seidenen Faden hing. „Aufwachen, Aufwachen“, skandierten sie zwölf Minuten vor dem Ende.

Der FSV hätte durch John Verhoek und Nils Teixeira tatsächlich zum Ausgleich kommen können. Doch am Ende stand für Union erstmals seit zwölf Spielen wieder die Null. Nach dem fünften Spiel ohne Niederlage in Folge konnte man diesmal auch damit leben, dass es nur zu einem schmucklosen und ein wenig glücklichen 1:0 gereicht hatte. Matthias Koch

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