Sport : Der Weg aus der Hölle

Tiger Woods’ Comeback in Ohio beschäftigt seine skeptischen Gegner

Petra Himmel
Gute Aussicht? Keiner weiß so genau, in welcher Form derzeit Tiger Woods ist. Er hat eine lange Pause und viele negativen Schlagzeilen hinter sich. Foto: dpa
Gute Aussicht? Keiner weiß so genau, in welcher Form derzeit Tiger Woods ist. Er hat eine lange Pause und viele negativen...Foto: AFP

Berlin - Nichts hat sich verändert. Er ist wortkarg, aber selbstbewusst. Er spricht vom Sieg. „Meine Erwartungshaltung ist die gleiche wie immer“, sagte Tiger Woods zu Beginn des WGC Invitational Golfturniers im Firestone Country Club in Ohio. Dafür ist die Haltung der Golfszene zu ihm ambivalent. Was, fragt man sich, kann man von dem Superstar sportlich noch erwarten?

„Die Zukunft wird es zeigen“, sagte Woods’ Manager Mark Steinberg philosophisch. Zur sportlichen Leistungsfähigkeit seines Klienten äußert er sich nicht. Wie auch? Als man Woods im Mai zuletzt auf einem Golfplatz sah, humpelte er nach neun Löchern beim Stand von sechs über Par Richtung Klubhaus und beendete die Players Championship vorzeitig.

Schlagzeilen um Woods gab es trotz der Spielpause wegen des verletzten Knies reichlich. Den Managementvertrag mit IMG kündigte er, nachdem Steinbergs Vertrag mit der Agentur nicht mehr verlängert worden war. Steve Williams, Caddie seit zwölf Jahren, feuerte er wegen fehlender Loyalität. Als Aushilfe fungiert der alte Collegefreund Bryon Bell.

In Zahlen betrachtet, hat die Karriere des Tiger Woods in den vergangenen drei Monaten eine beachtliche Abwärtsspirale erreicht. Sein letzter Turniersieg in den USA liegt 22 Monate zurück. Zwei Majors verpasste er während seiner elfwöchigen Pause, der letzte Sieg gelang ihm 2008 bei der US Open. In der Weltrangliste wird er auf Position 28 geführt, in der aktuellen Geldrangliste der US PGA Tour auf Position 135. Für die Meisterschaft der US-PGA-Tour, die nur die 125 besten Spieler zulassen und in zwei Wochen beginnen, wäre er nicht qualifiziert.

Hinzu kommt die Umwandlung seines Schwungs, die 2010 mit der Verpflichtung des neuen Trainers Sean Foley begann. Das Team hat erst Ende vergangener Woche die Arbeit wieder aufgenommen, Foley ist vorsichtig, wenn es um die Beurteilung der Form seines Schülers geht: „Er ist geheilt, das ist viel besser, aber wir müssen langsam und klug einen Weg zurück finden.“

Die Kollegen betrachten diesen Weg mit Skepsis. „Wir wollen alle mehr wissen, wir stellen Vermutungen darüber an, was los ist, wie gut er spielen wird, wie stark er ist“, sagte der US-Amerikaner Matt Kuchar. Woods hat sich für offensive Antworten entschieden. Sein Entschluss, in Ohio zu starten, kam überraschend. „Er spielt aus reiner Verzweiflung“, sagte Brandel Chamblee, selbst 20 Jahre Tourprofi und nun Kommentator beim amerikanischen Golf Channel. „Er glaubt, dass dies der einzige Weg aus der Hölle ist. Er will allen beweisen, dass sie im Unrecht sind.“

Tatsächlich hat sich die Szene seit dem 27. November 2009, dem Tag, an dem die Skandale um Woods mit seinem Autounfall begannen, stark verändert. Viele der jungen Profis kennen ihn hauptsächlich aus dem Fernsehen. Wegbegleiter wie Phil Mickelson oder Jim Furyk treten allmählich zurück. „Es gibt da eine Menge neuer Jungs“, sagte Woods. Ehrfurcht vor dem Superstar ist ihnen unbekannt. Die Aura des 14-fachen Majorsiegers, die Mitspieler schon am ersten Abschlag zu Marionetten machte, haben sie nie erlebt.

An Woods perlt all die Aufgeregtheit ab wie immer. Wenn er spricht, dann über sein Golf. „Es hat Spaß gemacht, einfach den Ball mal wieder mit so einem flüssigen Gefühl und Geschwindigkeit zu schlagen“, sagte er. Nächste Woche spielt er die US PGA Championship, das letzte Major des Jahres in Atlanta. Glory’s Last Shot, die letzte Chance auf den Ruhm, wird das Turnier genannt. Zu keinem anderen Profi passt es derzeit so gut wie zu Tiger Woods.

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