Sport : Der Weg nach Leverkusen

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Michael Rosentritt über den

tiefen Fall von Hertha BSC

Im UefaCup hat Hertha BSC seit drei, vier Jahren weder Angst noch Schrecken verbreitet. Mit peinlicher Regelmäßigkeit schied der Berliner Fußball-Bundesligist kurz vor oder gleich nach Weihnachten aus. Seit gestern ist das anders. Hertha verbreitet Angst und Schrecken, aber nicht bei der Gegnerschaft, sondern beim eigenen Anhang. Hertha hat sich bei der ersten Gelegenheit aus dem internationalen Wettbewerb verabschiedet. In Grodzisk hat die krisengleiche Entwicklung gestern ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden. Aus dem selbst ernannten Champions-League-Anwärter ist eine Randnotiz in Europa geworden. Herthas Fall ist tief. Und er hat seine Gründe.

Manager Dieter Hoeneß war es, der von der Pflicht sprach, mindestens die dritte Runde des Uefa-Cups zu erreichen. Kurz nach der Auslosung des ersten Gegners machten sich die Berliner Spieler lustig über den Namen des „unaussprechlichen“ Gegners aus der polnischen Provinz. Es sind dieselben Spieler, die gegen die Halbprofis von Groclin Grodzisk in zwei Spielen, also in 180 Minuten, nicht ein einziges Tor zu Stande brachten. Vielleicht werden Manager und Trainer Huub Stevens dieser Niederlage noch eine positive Seite abgewinnen können. Jetzt könne man sich noch mehr auf die Bundesliga konzentrieren. Da ist Hertha seit acht Spielen sieglos.

Dieter Hoeneß’ Botschaft nach dem K. o. von Grodzisk lautet: „Wir werden weiter unseren Weg gehen.“ Wenn das ein Bundesligamanager in einer solchen Situation sagt, ist es ehrbar, weil untypisch in diesem Geschäft. Aus dem Munde des Berliner Managers klingt dieser Satz aber wie eine Drohung. Hoeneß will die Krise mit ruhiger Hand managen. Noch immer sträubt sich der starke Mann bei Hertha, den Vergleich mit den Kollegen von Bayer Leverkusen anzunehmen. Die retten sich in der vorigen Saison am letzten Spieltag vor dem Abstieg. Hertha ist auf dem besten Wege dahin.

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